Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Bend ix.

Auftrag auf Gefahr eine Art Verbürgung, das gemeinrechtliche
mandatum qualificatum, sei, der Auftrag auf Rechnung aber nicht
damit verwechselt werden dürfe. Im ersteren Falle (§ 213) werde
zwischen dem Beauftragten und dem Dritten ein Vertrag errichtet, für
dessen Erfüllung der Mandator accessorifch und subsidiarisch hafte, im
zweiten Falle (§ 215) fehle es an diesen: Vertrage, der Mandator
hafte allein dem Beauftragten, ein Klagerecht des Beauftragten gegen
den Dritten, eine Obligation zwischen diesen Beiden sei ausgeschlossen,
Jntercession liege also niemals vor, eine Analogie mit der
Bürgschaft sei nicht vorhanden. Nach Rehbein^) ist im § 213 die
Verpflichtung des Mandanten inhaltlich Bürgschaft und ganz als solche
zu behandeln; aber auch im Falle des § 215 sei Jntercession
denkbar, nur nicht nothwendig, vielmehr könne im Verhältnisse des
Mandators zum Dritten selbst Schenkung oder Erfüllung einer anderen
Verbindlichkeit in dein Hergang enthalten sein, das Merkmal der
freiwilligen und accessorischenUebernahme also auch fehlen. Rehbein
bekämpft deshalb die Auffassung der preuß. Ob.Trib. in der Entscheidung
Bd. 38 S. 105 (Striethorst's Archiv Bd. 28 S. 169), welche das
mandatum qualificatum im Sinne des § 215 unterschiedslos als
Jntercession bezeichnet. Er geht mit der Entscheidung des preuß.
Ob.Trib. Bd. 48 S. 87 (Striethorst's Archiv Bd. 44 S. 345) davon
aus, daß hier das Rechtsverhältniß ganz so wie bei dem gewöhnlichen
Mandate sich bestimme, daß gerade umgekehrt wie bei der Bürgschaft,
aus dem Mandate Rechte und Pflichten unabhängig von der Existenz
der Obligation eines Dritten von selbst und unmittelbar erwachsen,
die Obligation des Dritten erst aus der Befolgung des Mandats
entstehe.
In allen diesen Ausführungen scheint mir ein Punkt nicht ge-
nügend berücksichtigt, der meines Erachtens der Ausschlag gebende ist.
Wo ist denn in dem § 213 von einem Aufträge die Rede? Eine
schriftliche „Erklärung" wird hier vorausgesetzt, kein'Auftrag: dagegen
erfordert der § 215 gerade einen Auftrag. Und daß diese Worte
nicht zufällig, sondern mit voller Absichtlichkeit gewählt sind, erhellt
wohl anr besten aus dem folgenden § 218, der die Verschiedenheit
der beiden Fälle gerade durch die Anwendung der beiden Worte „Er-

'0 Entsch. des preuß. Ob.Trib. S. 690 ff.

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