Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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a) Güterbock bringt unter der Ueberschrift „Römisch-Armenien und die
römischen Satrapieeu im 4. bis 6. Jahrhundert" einen Beitrag zum römischen
Nerwaltungs- und besonders Prozeßrecht; er schildert klar die politischen und
rechtlichen Schicksale der genannten Satrapieen, ihre Verwaltung und die
Justinianeischen Reformen, mit denen ein Fortbestand der alten Satrapen un-
vereinbar war. Beachtenswerth ist gegenüber Hosmann's (s. oben Anm. 6)
höchst ungünstigem Urtheile die Bemerkung über Justinian S. 43 — man werde
trotz des Fehlschlagens mancher seiner Unternehmungen „dem großen Geschicke,
mit dem der Kaiser seine Ideen faßte und seine Pläne verfolgte, gerechte Aner-
kennung nicht versagen dürfen".
d) Gareis handelt über das Recht am menschlichen Körper als Persön-
lichkeitsrecht. Wenn er freilich aus der Eigenschaft dieses Rechtsguts als eines
subjektiven Rechtes den Schluß zieht, daß der Vertrag auf Abtrennung gewisser
Theile vom Körper mangels positiver Sonderbestimmung „gültig und verbind-
lich" sei, so scheint mir das außerordentlich bedenklich ; nicht minder der weitere
Satz (S. 90), daß das getrennte Körperstück zunächst herrenlos sei. Denn fällt
mir sogar grundsätzlich das zu, was sich aus dem Gegenstände meines ding-
lichen Rechtes bildet, so doch noch vielmehr das, was aus meinem mir that-
sächlich wie rechtlich ungleich näher stehenden Körper, der Leiblichkeit meines
Ich selbst, ausgeschieden wird. — Interessant sind in diesem Aufsatze ferner die
Bemerkungen über die Operationspflicht S. 99, die Verfasser zwar grundsätzlich,
aber nicht ausnahmslos verneint.
o) In gefälliger Darstellung verbreitet sich v. Blume über das Recht der
Anlieger an öffentlichen Straßen und unterzieht dabei insbesondere die von
Widersprüchen erfüllte Rechtsprechung des Reichsgerichts einer nicht unberechtig-
ten Kritik. Er verwirft ein subjektives Privatrecht der Anlieger: ihre Stellung
ist rechtlich nur als Gemeingebrauch zu charakterisiren, der aber nicht nur
den Grundeigenthümern, sondern allen Anwohnern zu Gute kommt; „es ist
also das Interesse der Anlieger keineswegs geknüpft an ein Privatrecht, sondern
an ein natürliches Verhältniß, einen Besitzstand", S. 120. Ein Entschädigungs-
anspruch der Anlieger erscheint somit höchstens auf öffentlich-rechtlicher Grund-
lage als denkbar; aber auch in dieser Richtung verwirft ihn der Verfasser, weil
der durch die Straßen Verlegung entstehende Schaden der Grundbesitzer nur ein
Aequivalent des ihm durch die Anlegung verliehenen Vortheils darstellt —
cuiu8 eommodumm, eius et incommodum, @. 129.
d) Gradenwitz weist an der Hand eines bedeutenden Quellenmaterials
und unter scharfsinniger Darlegung einer Jnterpölatton der 1.16 § 4 D. 46,1
— s. insbesondere die Annahme S. 144 — nach, daß der Begriff der „obligatio
naturalis“ im Sklaveurechte seinen Ursprung habe, s. die Entwickelung S. 177.
Eine Anzahl von Rechtsfall-Sammlungen (Praktika) ist theils neu-
bearbeitet, theils neuerschienen.
Ersteres gilt zunächst von Jhering's altberühmter Sammlung. Die vor-
liegende neunte Auflage"') ist, nachdem bereits die vorhergehende mit Rücksicht
113) Civilrechtsfälle ohne Entscheidungen von R. v. Jhering. Neunte

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