Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

138

compensatio, S. 130 ff. Von den noch nicht Genannten giebt Bern Höft
in Einzelheiten mehr, als m. E. nöthig und wünschenswerth gewesen wäre,
während im Uebrigen auch in feiner Arbeit das Beifallswerthe überwiegt. Im
strikten Gegensätze zu Lehmann sind bei Bernhöft, wie nicht minder in einigen
anderen Beiträgen, die literarischen Hinweise auf das äußerste Maß beschränkt,
mehr vielleicht, als angebracht war — selbst die Uebersicht S. 368 giebt keines-
wegs alles das an, was doch wohl unbedingt hätte genannt werden müssen:
während Bernhöft hier unter den Kommentaren neben Planck die doch gar
keinen selbständigen Kommentar bildende Arbeit von Haid len hervorhebt,
schweigt er über Hölder-Schollmeyer, Rehbein und andere wichtige Publi-
kationen dieser Art. Und er kann uns mit dieser Ungleichmäßigkeit schwerlich
dadurch versöhnen, daß er dafür unter den Lehrbüchern ein solches — von
Seuffert — aufzählt, welches in Wirklichkeit gar nicht existirt!
Auch in der Sache äußert sich gegen Bern Höft's Ergebnisse nicht ganz
selten der Widerspruch; so geht es zu weit, wenn er S. 389 das nichtige
Geschäft keine Wirkungen äußern läßt — man denke doch z. B. an die Mög-
lichkeit einer Haftung auf das negative Vertragsinteresse! Das befristete
Recht einfach als ein künftiges zu bezeichnen (S. 402), trifft schwerlich für alle
Fälle zu. Zu 8 823 ist der Verfasser allzu schweigsam, wenn er darin einfach mit
den Worten des Gesetzes die Verletzung „des Eigenthums oder eines anderen
Rechtes" für eine Ersatzpflicht begründend angiebt, ohne der bekannten wichtigen
Streitfrage zu gedenken (S. 477). Daß zum Besitzerwerbe nicht einmal
Missen erfordert werde (S. 485), ist höchstens für einzelne, singuläre Fälle
annehmbar. Auch dem, was S. 567 über die Möglichkeit einer hereditas iacens
nach neuem Rechte gesagt wird, kann man schwerlich vollauf zustimmen.
Um nur noch auf einen der Beiträge aufmerksam zu machen, so verdient
St ein's Darstellung des Civilprozeßrechts eine unbedingte Anerkennung, als
bei aller Knappheit reichhaltig und überall aus vertiefter wissenschaftlicher Selb-
ständigkeit schöpfend. Selbst für viele wichtige Spezialfragen wird man aus
ihr reiche Förderung erfahren.
Des Weiteren möchte ich die Aufmerksamkeit meiner Leser auf zwei Fest-
schriften richten. Zu Wilke's Jubiläum haben die Rechtsanwälte des Kammer-
gerichts eine glänzend ausgestattete und inhaltlich reichhaltige Gabe überreicht,
an der nicht weniger als 15 Berufsgenossen des Gefeierten betheiligt finb:141)
Alexander-Katz, Benedict, Fischer, E. Fuchs, S. Goldmann, Heine-
mann, Koffka, Korn, Lesse, Neumann, Perl, Salomon, Simon,
Stranz, E. Wolfs — Namen, die zum größeren Theile in der rechtswissen-
schaftlichen Literatur bereits einen guten Klang haben. Es ist natürlich aus-
geschlossen, von dem Inhalte so zahlreicher Beiträge an dieser Stelle auch nur
in kurzen Zügen Kunde zu geben; die Rundschau kann nicht mehr thun, als
einzelne Gesichtspunkte daraus herausgreifen.
141) Festgabe der Rechtsanwaltschaft des Kammergerichts für den Geh.
Justizrath R. Wilke zum 11. September 1900. Juristische Abhandlungen von
.. (s. oben). Berlin, Bahlen 1900. VIII u. 349 S. Pr. M. 7,50.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer