Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

bis 944; 6. Hinschius, Das Kirchenrecht, S. 945—1024; 9. Birkmeyer,
Das Straftecht, S. 1025—1092; 10. v. Lilienthal, Das Strafprozeßrecht,
S. 1093—1166; 11. Stein, Das Civilprozeßrecht, S. 1167—1258; 12. v. Liszt,
Das Völkerrecht, S. 1259-1344.
Die Encyclopädie war nach dem Vorwort an die Stelle der v. Holtzen-
do rff'schen zu treten bestimmt, und so erklärt es sich auch, daß einer von deren
Mitarbeitern, Hinschius, seine Feder nunmehr dem neuen Unternehmen zur
Verfügung stellte — sein Beitrag war wohl das Letzte, was der allzufrüh Ent-
schlafene der Wissenschaft geschenkt hat. Da indeß bekanntlich auch das Holtz en-
dorff'sche Sammelwerk unter Redaktion von Köhler einer Neubearbeitung
unterworfen wird, so ist jener Zweck des neuen Unternehmens nicht erfüllt.
Doch thut das seiner Verdienstlichkeit natürlich nicht den mindesten Abbruch;
es stände schlecht um Deutschlands Rechtswissenschaft, wenn darin nicht Raum
für zwei solche monumentale Werke neben einander wäre!
Auf den Inhalt eines derartigen Unternehmens auch nur in den gröbsten
Umrissen einzugehen, widerspräche den: Zwecke dieser Rundschau und harmonirte
nicht mit dem knappen zur Verfügung stehenden Raume. Ein abschließendes
Urtheil läßt sich zudem darüber natürlich nur nach monate-, vielleicht jahre-
langer Beschäftigung gewinnen, wie sie dem Schreiber dieser Zeilen, zumal an-
gesichts der heutigen litterarischen Hochfluth, bisher auch nicht annähernd mög-
lich war. Doch habe ich aus den zahlreichen Partien, die ich studirte, den be-
stimmten Eindruck bestätigt gefunden, den die Namen der Mitherausgeber aus
jeden deutschen Juristen nothwendig von vornherein machen müssen: daß wir
es hier mit einer ganz hervorragenden Leistung deutscher Wissenschaft, vater-
ländischen Könnens zu thun haben.
Allerdings konnte bei einer solchen Sammelarbeit eine gewisse Ungleich-
mäßigkeit nicht immer vermieden werden. Einige der Beiträge, z. B. der vor:
Hinschius und der von Birkmeyer, sind sehr knapp und präzis gehalten
und stellen in vortrefflicher Weise die für eine Encyclopädie wesentlichen Haupt-
punkte dar. Andere' sind Verhältnißmäßig breit angelegt; so ist die übrigens
durchaus wohlgelungene Bearbeitung des deutschen Rechtes von Lehmann mit
ihren 160 Seiten doch mit Einzelheiten, namentlich auch mit sich auf die unbe-
deutendsten Dissertationen erstreckenden Literaturangaben, stärker belastet, als
ich es für die Zwecke des Werkes angemessen erachten kann; sie enthält weit
mehr Seiten, als die Darstellung des römischen Rechtes von Jörs, was dem
wirklichen Stärke- und Werthverhältniß dieser beiden Zweige unserer Privatrechts-
wiffenschaft selbstverständlich durchaus widerspricht. Auffällig war mir auch, daß
der Beitrag von Jörs in einem die Lektüre störenden Kleindruck erschienen ist;
das könnte bei minder Kundigen den Anschein erwecken, als wenn dieser Th eil
gegenüber den anderen Beiträgen minder wichtig wäre. Mir ist solche Ver-
schiedenheit des Druckes um so räthselhaster, als Jörs' Bearbeitung an Gediegen -
hett und sonstigen Vorzügen besonders hohe Anerkennung verdient und den
besten der anderen Beiträge ebenbürtig ist. Von besonderem Werthe sind u. 21.
darin die lichtvollen Bemerkungen über die an Räthseln reiche Geschichte der

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