Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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Preußen hat allen Anlaß, mit dem Urtheile, das in ausländischen Arbeiten
wie denen v. Wieser's und Creanga's über seine neueste Steuerreform ab-
gegeben wird, zufrieden zu sein.
EineUebersetzung des bulgarischen Ehegesetzes legtGelbert^) vor. Das
Heftchen verdankt laut Vorwort praktischen Bedürfnissen seine Entstehung; darüber
hinaus mag es für den Forscher auf dem Gebiete der vergleichenden Rechts-
wisfenschaft einiges Interesse bieten.
Letzteres gilt auch von Hozumi's138) Darstellung des Ahnenkultus
im japanischen Rechte. Er beruht nach dem Verfasser nicht auf Furcht,
sondern auf der Liebe für die Todten, S. 3. Als in Verbindung mit dem Ahnen-
kultus stehend wird die japanische Adoption näher erörtert; auch das Erbrecht
gründet sich darauf, daß das Blut des Ahnen thunlichst erhalten werden soll,
S. 50, 51.

X. Zeitschriften — Varia.
In der gewohnten Reichhaltigkeit und Stattlichkeit präfentirt sich der neue,
im Ganzen vierundvierzigste, Band von Gruchot's Beiträgen.'87) Von der
Anlage der Zeitschrift, der sie auszeichnenden Kombination von Aufsätzen, Mit-
theilungen aus der Praxis und Besprechungen braucht hier, als an dieser Stelle
schon wiederholt hervorgehoben, nichts mehr gesagt zu werden; ich will nur auf
einzelne der Abhandlungen als besonders interessant Hinweisen. Dies Prädikat
verdient vielleicht an erster Stelle diejenige von Schüller über den Schadens-
ersatz wegen Nichterfüllung bei gegenseitigen Verträgen nach dem B.G.B., S. 603 ff.,
deren Ergebnissen ich mich freilich ebensowenig anschließen kann, wie die meisten
anderen Interpreten des bürgerlichen Gesetzbuchs. Schüller lehrt nämlich
(S. 610—611), daß der nach B.G.B. §§ 325—326 in Betracht kommende Schadens-
ersatz wegen Nichterfüllung bei gegenseitigen Verträgen nicht in dem Interesse
bestehe, das der nichtschuldige Theil an der Leistung des schuldigen hat, sondern
in dem Interesse, das er an der Erfüllung des ganzen, nunmehr seinem vollen
Inhalte nach unerfüllt bleibenden Vertrags hat. „Der Schadensersatzanspruch
geht mit anderen Worten auf Zahlung der Differenz zwischen dem Werthe beider
Leistungen, zuzüglich des etwa weitergehenden positiven Vertragsinteresses." Daß
der Beweis für diese weittragenden Behauptungen nicht gelungen sein dürfte,
habe ich kürzlich an anderer -Stelle (in meiner „Vortheilsausgleichung beim
Schadensersatzanspruch" S. 52 ff.) ausführlich zu begründen gesucht, ich darf wohl
186) Adv. CH. Gelbert, Das bulgarische Ehegesetz. Nach der offiziellen
Textausgabe übersetzt. Sofia, ProZek 1900. 20 S. Preis M. 0,80.
18*) Prof. Dr. Nobushige Hozumi, Der Einfluß des Ahnenkultus auf
das japanische Recht. Aus dem Englischen übersetzt von Dr. P Brunn. Berlin,
Kisak Tamai 1901. 51 S. Preis M. 1,20.
187) Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts, begründet von Dr.
I. A. Gruchot. Herausgegeben von Rassow, Küntzel und Eccius. Sechste
Folge III, 44. Jahrgang. Berlin, Wahlen 1900. XXXII u. 928 S. nebst 304 S.
Beilageheft. Preis M. 15.
Archiv für bürgerliches Recht. XX. B nid.

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