Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

Pfandrecht an der Forderung begründen", ist somit vorschnell. Zu welchen
Schwierigkeiten die Annahme eines Rechtes am Rechte in gewissen Fällen führt,
möge man beim Verfasser selbst S. 144—145 Nachlesen. .
In anderen Punkten wird man Petschek eher beipflichten können, so in
der Polemik gegen Demelius' (S. 98) Lehre, wonach das richterliche Pfand-
recht nicht den Charakter eines wahren Pfandrechts haben soll.
Von den sonstigen Ergebnissen des Buches sei hervorgehoben:
a) Regelmäßig tritt zufolge der Pfändung der Forderung eine derartige
Lahmlegung, Reaktionsunfähigkeit der Rechtsschutzansprüche ein, daß sie vor-
läufig von keinem der Betheiligten allein geltend gemacht werden können, S. 206.
b) Der Verpflichtete bleibt trotz der Pfändung alleiniger Gläubiger des Dritt-
schuldners, er ist privatrechtlich zu allen Dispositionen befugt, nur findet deren
Wirkung an dem Rechte des Pfändungsgläubigers ihre Grenze, weim dieses
durch sie gefährdet werden könnte, S. 235.
Nicht sehr erfreulich ist im Ganzen die Arbeit von Pick über die Lohn-
beschlagnahme. l27) Der Verfasser geht in dem — des Reizes der Neuheit
nachgerade entkleideten — Kampfe gegen die „Formaljurisprudenz" soweit, daß
er rein theoretischen Unterscheidungen jede Existenzberechtigung abspricht und
schlankweg den Satz aufstellt (S. 77):
„Alles das muß als ein Begriff angesehen werden, was gleiche Ein-
wirkung auf das wirthschaftliche Leben des Rechtssubjekts hat, alles
das als verschiedener Begriff, was ungleiche Wirkungen auf die
Wirthschaftssphäre des Rechtssubjekts ausübt;"
ein Satz, der einer ernsthaften Diskussion vom rechtswissenschaftlichen Stand-
punkt aus nicht werth ist. Was man bisher an den deutschen Juristen rühmend
hervorhob, daß sie — Worte des Verfassers S. 97 — „mit philosophisch strenger
Kategorisirung und logischer Deduktion" operirten, das wird ihnen von Herrn
Pick zum Vorwurf gemacht, und den Mangel solcher Arbeitsmethode bei den
Engländern hält er uns als Spiegel vor. Aber freilich, das darf nicht Wunder
nehmen — das Wort von den Neusten, die sich fürchterlich erdreusten, hat noch
immer seine Wahrheit bewährt.
Mit seiner Abneigung gegen logische Gesichtspunkte hängt wohl auch zu-
sammen, daß Pick's Studie selbst einen erheblichen Mangel an scharfer logischer
Disposition aufweist und ihre Ergebnisse nicht klar hervortreten läßt. Dadurch
beeinträchtigt der Verfasser auch die in seiner Arbeit vorhandenen guten Be-
merkungen — zu diesen rechne ich Manches, was er über den Charakter und
die Abgrenzung der Lohnansprüche und der ihnen gegenüber privilegirten, weil
ausnahmsweise eine Pfändbarkeit begründenden, Unterhaltsansprüche sagt, s.
einerseits S. 35, 41, andererseits S. 71. Keine privilegirten Ansprüche sind nach
Verfasser die nach 8 844 des deutschen B.G.B. begründeten, S. 116.
127) Dr. Berthold Pick, Die Lohnbeschlagnahme nach österreichischem
und deutschem Recht. Wien, Hölder 1900. 160 S. (Aus Grünhut's Zeitschr.
Bd. 28.) •

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