Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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anstalteten „Grundriß des österreichischen Rechts in systematischer Bearbeitung^,
dem wir schon mehrere dankenswerthe Beiträge verdanken, liegen weitere Partien
aus den Federn von Demelius undUllmann^) vor. Die Bearbeitung des
Sachenrechts durch den Erstgenannten ist knapp, hebt aber alles grundsätzlich
Wichtige hervor und ist dabei übersichtlich und verständlich gehalten- Zur Förde-
rung einzelner Streitfragen trägt der Grundriß natürlich nur in Ausnahme-
fällen bei; aber für den zu erreichenden Zweck scheint er mir durchaus geeignet
— nicht zum Wenigsten auch in der Hand reichsdeutscher Juristen, die sich durch
Demelius' sachkundige Arbeit mit leichter Mühe und ohne größeren Zeit-
verlust in die Probleme von Oesterreichs Sachenrecht einführen lassen können.
Aehnliches Lob müssen wir auch dem Ullmann'schen Grundrisse des Civil-
prozesses spenden, der sich grundsätzlich von Demelius durch eine nicht nur
absolut, sondern auch relativ größere Ausführlichkeit unterscheidet. — Entgegen
der im deutschen Civilprozeßrechte gebräuchlichen- Methode wird das Zwangs-
vollstreckungsrecht nicht mit behandelt, wohl aber kurz die in der „Jurisdiktions-
norm" enthaltene Gerichtsverfassung.
Aus dem österreichischen Vollstreckungsrechte hat uns die Berichts-
periode eine sehr gründliche, ihren Stoff (auch nach reichsdeutschen Gesetzen)
gut beherrschende Studie von Petschek'^) gebracht, die aber in ihrer außer-
ordentlich unübersichtlichen Darstellungsweise die Ergebnisse nicht sonderlich
deutlich hervortreten läßt und dem Referat schon aus diesem Grunde erhebliche
Schwierigkeiten entgegensetzt. Sie kann hier um so weniger ausgiebig gewiirdigt
werden, als sie sich mit Spezialfragen eines dem Reiche immerhin fremden
Prozeßrechts befaßt, während sie auf die in Betracht kommenden civilrechtlichen
Punkte, namentlich die Konstruktion des Forderungspfandrechts, nur' knapp
und sie nicht sonderlich fördernd eingeht. Allerdings ist es unverkennbar, daß
der Verfasser der Lehre vom Rechte am Rechte zuueigt — aber seine Bemerkungen
über dieses schwierige Problem wird man weder als erschöpfend noch als durch-
schlagend anerkennen mögen; der Satz S. 108: „eine noch so sehr überzeugende Be-
weisführung, daß es Rechte an Rechten begrifflich nicht geben könne, ändert
nichts an dem Befehle des Gesetzes, das das Verhältniß als wahres Pfandrecht
behandelt wissen will", beweist natürlich gar nichts: denn ob das „wahre Pfand-
recht" ein,dingliches Recht im Allgemeinen und ein Recht am Rechte im Beson»
deren sei, ist vom Gesetze natürlich nicht entschieden, konnte auch bei der Ohn-
macht desselben gegenüber konstruktionellen Fragen von ihm überhaupt nicht
entschieden werden. Der Schluß S. 110: „die Pfändung soll also (!) wahres

m) Grundriß des österreichischen Rechts. Bd. 1 Abth. 3: Grundriß des
Sachenrechts von Prof. vr. E. Demelius. — Bd. 2 Abth. 1: Grundriß des
Civilprozeßrechts von Prof. Dr. D. Ullmann. Leipzig, Duncker & Humblot
1900. 73 bezw. 182 S. Pr. M. 2 bezw- 4,80.
m) Dr. Georg Petschek, Die Zwangsvollstreckung in Forderungen nach
österreichischem Recht. Theil 1: Einleitung. Voraussetzungen der Zwangsvoll-
streckung. Pfändungsverfahren. Wien, Manz 1901. VIII u. 348 S. Pr. M. 6,60.

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