Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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Erläuterung zu Grunde zu legen. So sind insbesondere die „theoretischen
Grundanschauungen" und die „bewährten sachlichen Ergebnisse" des älteren
Werkes meist in das neuere herübergenommen, natürlich mit all den Aende-
rungen und Zufügungen, die der formell überall und materiell großentheils
neue Rechtszustand nothwendig machte. Laut dem Prospekte haben die beiden
Bearbeiter sich über die allgemeine Anlage des Werkes genau ins Einvernehmen
gesetzt, während die Be- bezw. Umarbeitung im Einzelnen von Schäfer bewirkt
worden ist.
Die Arbeit ist insofern umfasseilder als die von Jäckel, als sie sich nicht auf
das Zwangsverstcigerungsgesetz selbst beschränkt, vielmehr auch, nach einer um-
fassenden vorwiegend rechtshistorischen Einleitung (S. 1—32), die einschlägigen
Sätze des achten Buches der C.P.O. mit ausführlicher Erläuterung vorführt
(S. 33—168). Erst dann folgt die Kommentirung des Gesetzes vom 24. März
1897, die in der vorliegenden Lieferung bis zu 8 38 gediehen ist.
Das Gebotene ist, soweit ich bisher habe prüfen können, durchweg wohl-
gelungen und beisallswerth; recht geeignet, dem Werke auch in seiner Gestalt
die alten Freunde zu erhalten und manchen neuen dazu zu erwerben. Die
äußere Anlage ergiebt sich durch den ihm jetzt zugewiesenen Charakter als Er-
gänzungsband zu Planck's Kommentar, wodurch der Kommentar zu einem
Parallelunternehmen zu dem oben besprochenen Grundbuchrechte von Achilles-
Strecker wird. Ausgefallen ist mir in der übrigens reichlichen Berwerthung
der Literatur und Judikatur ein gewisser Mangel an Gleichmaß; so wird bei
Besprechung des Verhältnisses zwischen Prozeßvergleich (C.P.O. 8 ^94) und
civilrechtlichem Vergleiche (B.G.B. 8 779) zwar eine französische Arbeit von
E. Weber, aber nicht die gründliche Schrift von Paul (s. dieses Archiv XV,
468) erwähnt, ebensowenig die von Wolfs im Archiv für die civil. Praxis
Bd. 88 S. 153 ff.
Ein neuer Kommentar zum Zwangsversteigerungsgesetz aus der Feder von
Reinhard ll0) wird schon deswegen einem günstigen Vorurtheile begegnen, weil
der Verfasser bereits als Herausgeber einer wohlgelungenen Handausgabe des-
selben Gesetzes (s. XVIII, 415—416) vortheilhaft bekannt ist. Das neue
Unternehmen verspricht sehr ausführlich zu werden; die vorliegenden 6 Liefe-
rungen behandeln auf 494 Seiten die ersten 104 Paragraphen des Gesetzes, ein
Gebiet, das z. B. von Jäckel, allerdings in kleinerem Drucke, auf 354 Seiten
erledigt wurde. Reinhard läßt in weitem Umfange die Vorarbeiten zum Worte
kommen; aber angesichts der umfassenden selbständigen Erläuterungen, die er
daneben und an erster Stelle giebt, wird ihm niemand daraus einen Vorwurf
machen dürfen. Daß er schon verschiedene Kommentare, namentlich Wolfs und
Jäckel, vor sich sah, gab dem Verfasser Gelegenheit, die Richtigkeit ihrer An-
sichten nachzuprüfen und manch beachtenswerthes Wort der Kritik zu dem von

m) O L.G.R P. Reinhard, Das Zwangsversteigerungsgesetz mit dem
zugehörigen Einführungsgesetze. Ausführlicherläutert. Lieferung 1—6. Leipzig,
Roßberg & Berger 1900—1901. IV u. 494 S. Pr. M. 12.

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