Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

116

Paul Gertmann.

tverflich und würde ein trauriges Stocken und Einrosten der Rechtspflege be-
wirken. Hatte also der Gerichtshof inzwischen seine Ansicht geändert — über
die sachliche Richtigkeit ist hier nicht zu entscheiden — so verfuhr er nur pflicht-
mäßig, wenn er nun auch von der früheren Entscheidung abging. Aber anderer-
seits ist es bedenklich und kann nicht zur Erhöhung des Ansehens der Recht-
sprechung im Volke beitragen, wenn ein Gerichtshof in der Bethätigung der durch
frühere Entscheidung eines und desselben Gerichtshofs wachgerufenen Rechts-
anschauung eine strafbare That erblickt. Hier liegt einer der Fälle vor,
wo die Nichtberücksichtigung des Rechtsirrthums in der strafrechtlichen Praxis
zu einem höchst bedenklichen Ergebnisse führt und einen entschiedenen Protest heraus-
zufordern geeignet sein dürfte.
VI. Freiwillige Gerichtsbarkeit; Konkurs- und Zwangsversteigerungsrecht.
1. Das in der vorigen Rundschau angezeigte und rühmend anerkannte For-
mularbuch von Weizsäcker und Lorenz ist mit dem Erscheinen der zweiten
und dritten Lieferung vollständig geworden. *">) Die Lieferung 2 enthält die
Formulare für Grundbuchsachen, während Lieferung 3 diejenigen für Register-
sachen, allgemeine und vermischte Formulare umfaßt und mit einem Sachregister
endigt. An Werth und Brauchbarkeit schließen sich die jetzt erschienenen
Theile dem früher erschienenen würdig an, sodaß der Hinweis auf die hochwill-
kommene, vom praktischen und theoretischen Standpunkte gleich anerkennenswerthe
Arbeit angesichts der früheren Besprechung genügen dürfte.
Ein anderes Formularbuch für die freiwillige Gerichtsbarkeit legt eine
Anzahl der hervorragendsten Berliner Anwälte vor.l02) Der Name der Heraus-
geber bürgt dafür, daß diese Formulare auf einem reichen Schatze von Erfah-
rungen beruhen und daß sie in der Anwendung sich aller Voraussicht nach be-
währen werden. Eine nähere Besprechung erübrigt sich um so mehr, als das
Heft 1 nur Handelssachen umfaßt, die nach altem Brauche unseres „Archivs"
nicht in der allgemeinen eivilen Rundschau besprochen werden.
Eine Taschenausgabe des Gesetzes über die freiwillige Gerichtsbarkeit
haben Schultze-Görlitz und Oberneck ihrem bereits länger vorliegenden
großen Kommentare beigefügt. 10S) Anspruchsloser als jene früher besprochene
101) S. die Titelangabe Bd. XVIII S. 412 Nr. 137. Lies. 2-3. X u.
S. 109 bis 336. Berlin, R. Kühn 1900. Pr. zus. mit Lieferung 1 M. 3,60.
102) Formularbuch f. d. freiwillige Gerichtsbarkeit. Auf Veranlassung des
Berliner Anwaltsvereins verfaßt von Gerhard, E. Goldmann, E. Heiüitz,
Dr. F. Landau, Lilienthal, Dr. W. Löwenfeld, Dr. E. Meyßner,
Dr. H. Oberneck, Dr. H. V. Simon, Dr. I. Stadthagen, Dr. I. Stranz,
Dr. H. Staub, R. Wilke, Rechtsanwälten in Berlin. Theil 1: Handelsrecht.
Berlin, Carl Heymanns Verlag/1901. VIII u. 176 S. Pr. M. 3.
103) K.G.R. R. Schultze-Görlitz und R.A. Dr. H. Oberneck. Die An-
gelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit. (R.Ges. v. 17./20. Mai 1898 und
prcuß. Ges. vom 21. September 1899.) Erläutert. Berlin, Carl Heymanns
Verlag 1901. XXIII «. 352 S. Pr. geb. M. 2.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer