Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

Erwerb vom Nichteigenthümer den Schluß zieht, das Gesetz bringe mehrfach zum
Ausdrucke, „daß dann, wenn zwar objektiv ein Eingriff in ein Recht vorliegt,
der Eingreifende aber gutgläubig war, ein Anspruch auf Beseitigung der Rechts-
verletzung nicht gegeben ist"? In Wahrheit entzieht der gutgläubige Erwerb, wo
er entsprechend wirkt, dem bisherigen Eigenthümer sein Recht, sodaß von einer
Verletzung desselben durch jenen von vornherein nicht die Rede sein kann.
Eine korrekte Darstellung des Verwandtschafts rechts giebt Spahn
in einer ziemlich knappen, aber doch ausgiebigen Schrift/ff deren zweiter Theil
der Vormundschaft gewidmet sein wird. Historische Anknüpfungen fehlen; der
selbständige wissenschaftliche Werth der Arbeit ist überhaupt nicht groß, sie erfüllt
mehr die, zugegeben dankensiverthe, Aufgabe einer klärenden Einführung in den
neuen Rechtsstoff für die Bedürfnisse der Praxis.
Die Darstellung könnte bisweilen noch übersichtlicher und klarer sein.
Einzelne Ausdrücke sind mißverständlich, so-der Satz S. 9: „Doch wird die außer-
eheliche Geschlechtsgemeinschaft als Ehehinderniß berücksichtigt," welcher die Auf-
fassung erwecken könnte, nls wenn die sogen, außereheliche Schwägerschaft in
demselben Umfang und init denselben Wirkungen wie die eheliche als Ehe-
hinderniß anerkannt sei. Zu extrem ist es auch, wenn Verfasser S. 12 sagt:
„Somit sind 181 Tage die kürzeste, 302 Tage die längste Dauer der Schwanger-
schaft und es müssen zwischen dem Tage der Beiwohnung und dem Tage der
Geburt des Kindes 180 Tage liegen, damit das Kind ehelich, 302 Tage, damit
es unehelich ist." Das Recht des Vaters am Kindesgut wird nicht ganz passend
einfach als „Nießbrauch" bezeichnet, S. 118. — Doch derlei Anstände sind un-
bedeutend und wollen dem Buche übrigens nicht zu nahe treten.
Die dem Rechte derUnehelichen gewidmeten Sätze des B.G.B.Hat Jastrow
in Format und Anlage der bekannten Guttentag'schen Reichsgesetzausgabe
einer Bearbeitung unterworfen/ff die einerseits knapp und gemeinverständlich,
andererseits durchweg korrekt ausgefallen ist und somit den mit derartigen kleinen
Publikationen zu verfolgenden Zwecken gerecht werden dürfte.
Ein anderes Bändchen derselben Sammlung, Schultzenstein-Köhne's
Vormundschaftsrecht, hat bereits eine Neuauflage'") erlebt. Sie zeichnet sich
vor der ersten durch eine umfassende Berücksichtigung der preußischen Aus-
sührungsbestimmungen aus und setzt natürlich an Stelle des früheren Gesetzes
vom 13. März 1878 das Fürsorgeerziehungsgesetz vom 2. Juli 1900. Sonst
'ff R.G.R- Dr. P. Spahn, Verwandtschaft und Vormundschaft nach dem
B.G.B. Lief. 1. Berlin, Guttentag 1900. 136 S. Pr. M. 3.
'ff A.G.R- H. Jastrow, Das Recht der unehelichen Kinder. Textausgabe
aller einschlägigen Bestimmungen des B.G.B. mit Anmerkungen und Sach-
register. Berlin, Guttentag 1901. XVI u. 199 S. Pr. geb. M. 1,80.
'ff O.V.G.R. Dr. Schultzenstein und A.G.R. Dr. P. Köhne, Das
deuffche Vormundschaftsrecht und das preußische Gesetz über die Fürsorgeerziehung
Minderjähriger vom 2. Juli 1900. Textausgabe mit Erläuterungen und Sach-
register. Zweite Auflage. Berlin, Guttentag 1901. 509 S. Pr. geb. M. 3.

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