Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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Bedenklich ist mir dagegen die Annahme eines Austragsverhältnisses zwischen
dem Manne und der im Rahmen der Schlüsselgewalt handelnden Frau, S. 38.
Muß sich doch der Verfasser selbst S. 43 gegen die Anwendbarkeit der 88 674
bis 674, „soweit sie die Erlöschungsgründe des Auftrags feststellen", erklären.
Der eben erwähnten Schlüsselgewalt widmet Rosenfeld71) eine Sonder-
abhandlung, die in guter Form das bisherige und das neue Recht sachgemäß
erörtert. Viel Neues bringt sie nicht, wohl aber schildert sie den Rechtszustand
und die dabei obwaltenden Prinzipien in klärender Gesammtdarstellung. Richtig
sind die Bekämpfung der Mandatstheorie, ferner die Sätze S. 59 über die Wirkung
eines der Frau regelmäßig gegebenen Wirthschaftsgeldes, während die Annahme
S. 61, eine vertragsmäßige Ausschließung der Schlüsselgewalt stehe dem gut-
gläubigen Dritten nicht im Wege, mir nicht zweifellos erscheint, mindestens vom
Verfasser nicht ausreichend bewiesen ist.
Das eheliche Güterrecht ist wiederum von zwei Autoren gefördert worden.
Schröder's Arbeit73) stellt die Neuauflage einer bereits früher angezeigten
Schrift dar (s. XII, 273; XIII, 133), aber in sehr wesentlicher Erweiterung
und Verbesserung. Sie dient jetzt nicht nur zur ersten Einführung, sondern stellt
schon ein knapp gefaßtes System dar, etwa in dem für Lehrbücher üblichen
und angemessenen Umfange. Die Darstellung ist klar und präzis; die erschienene
Literatur hat der Verfasser sorgfältig verwerthet.
Umfassender ist die nur dem gesetzlichen Güterrechte gewidmete Arbeit
von Ullmann.73) Auch sie ist gründlich, zwar nicht sonderlich übersichtlich in
der Darstellung, aber vielfach tiefer eindringend und manche Zweifelspunkte
nicht unerheblich fördernd. Für die Konstruktion und prinzipielle Erfassung
kommt dagegen nur wenig dabei heraus.
Nicht überall wird man dem Verfasser beistimmen können, so wenn er Rechte,
die ihrem Inhalte nach durch einen Anderen als den Berechtigten nicht ausgeübt
werden können, dennoch als Bestandtheile des eingebrachten Gutes erklärt, S. 4.
Verfehlt ist auch die ohne Angabe von Gründen gegebene Behauptung S. 20,
wonach der Mann an den Stücken des Eingebrachten nicht unmittelbaren, sondern
Alleinbesitz habe. Auch dem zu 8 4-379 (S. 29) Gesagten kann ich nicht durchweg
folgen — die Zustimmung findet doch gerade bei solchen Akten statt, die Jemand
im eigenen, nicht im fremden Namen vornimmt. Auch S. 60 oben, S. 80 unten
finden sich Sätze, die nicht ohne Widerspruch bleiben können. Oder fordert der
Verfasser nicht solchen heraus, wenn er aus den Regeln über den gutgläubigen
71) Dr. Curt Rosenfeld, Die Schlüsselgewalt der Ehefrau nach dem
bisherigen deutschen Recht und B.G.B. (Rechts- und staatswissenschaftliche
Studien H. X.) Berlin, Ebering 1900. 101 S. Pr. M. 3.
T1) Prof. Dr. R. Schröder, Das eheliche Güterrecht nach dem B.G.B.
f. d. Deutsche Reich in seinen Grundzügen. Dritte vermehrte und verbesserte
Auflage. Berlin. Guttentag 1900. 94 S. Pr. M. 2.
- 73) R.A. Ullmann, Das gesetzliche eheliche Güterrecht in Deutschland.
Berlin, Siemenroth & Troschel 1901. XI u. 193 S. Pr. M. 4.

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