Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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und dadurch gegenüber dem Planck'schen Kommentar, als dessen Ergänzungs-
band der Verlag das Buch bezeichnet, ein Vorzug erzielt. Im Verhältnisse zu
seiner Reichhaltigkeit ist der Umfang des Werkes kein übermäßig großer. Kurz,
es vereinigt alle Vorzüge, die ihm unter den zahlreichen Konkurrenzarbeiten
einen hervorragenden Platz sichern und es wahrscheinlich machen, daß ihm in
der neuen Form ein ähnlicher unbestrittener Erfolg, wie früher dem Werke von
Achilles, beschieden sein werde.

g) Familienrecht.
Das persönliche Eherecht hat zwei Bearbeitungen gefunden, die aber
in ihrer Eigenart die denkbar größten Verschiedenheiten aufweisen. Holl-
roetf69) behandelt seinen Stoff vom strengkatholischen Standpunkt aus. Sein
Buch entbehrt gerade darum nicht eines gewissen eigenen Reizes; aber für die
Dogmatik bietet es, wenn es auch vorwiegend korrekt gearbeitet und übersicht-
lich dargestellt ist, im Ganzen nicht viel Neues. Einzelne Bemerkungen nur
habe ick bedenklich gefunden; so hat es doch gar keinen zureichenden Grund,
einer Witwe oder Geschiedenen den Anspruch aus 8 1 MO nur dann zuzubilligen,
wenn die Beiwohnung Folgen gehabt hat (S. 92 Anm. 4). Auf S. 108 Anm. 9
wird für Preußen veraltetes Recht in Sachen der Eheschließung der Beamten
noch als geltend vorgetragen.
Grundsätzlichen Widerspruch erweckt hingegen der allgemeine Stand-
punkt des Verfassers. Dieser bekämpft nicht nur scharf die wesentlichsten Sätze
des neuen Eherechts und fordert die Katholiken auf, ihre Beseitigung zu ver-
suchen (S. 56, 77), sondern läßt es auch an Bemerkungen gegen das protestan-
tische Eherecht nicht fehlen, denen man eine plana lenitas sicherlich nicht nach-
rühmen kann (s. z. B. die höchst peinlich berührenden Sätze über die „sogenannte"
Reformation S. 4). Ja, Hollweck läßt sogar das nach seiner Ansicht allzu
nachgiebige (richtiger: staatsfreundliche) Centrum und solche katholische Männer,
die einen anderen Standpunkt vertreten (s. die unqualifizirbare Bemerkung gegen
den Staatssekretär vr. Rieb erding, S. >4), seinen grimmigen Zorn verspüren.
Man wird mit dem Beurtheilungsmaßstabe des Verfassers, der alle staat-
lichen und sozialen Interessen rücksichtslos seinen religiösen Anschauungen opfert
und einseitig konfessionell solche Fragen behandelt, die das Gesetz aus guten
Gründen für alle Konfessionen gleichmäßig beantwortet hat, nicht rechten und
diskutiren können- So lange Verfasser auf dem Gebiete kirchlicher Erwägungen
bleibt, geht das uns Verfechter des staatlichen Standpunkts schließlich als
Juristen nichts an. Aber schlimm und unter allen Umständen zurückzuweisen
sind solche Sätze, wie der, daß das Eherecht des B.G.B. „nicht einmal für Un-

69) Prof. Dr. I. Hollmeck (am Lyceum zu Eichstädt), Das Cioileherecht
des bürgerlichen Gesetzbuchs. Dargestellt im Lichte des kanonischen.Eherechts.
Mit kirchlicher Druckerlaubniß. Mainz, Kirchheim 1900. VI u. 264 S. Pr.
M. 4,50.

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