Volltext : Juridisches Archiv (Bd. 4 (1804))

Sonnleithners Versuch. 1*7
an Seiten einiger Männer als Weiber. „Wie schön und
wahr entdeckte nicht schon im Jahr 1734. die Gesezgebung
die Quellen der vielen Fallimente, und wie ernstlich, wie
strenge und zweckmäßig suchte sie nickt diesem Nebel ent-
gegenzuarbeiten? Es würde die'Granzen dieses kitterari-
schen Instituts überschreiten, alle diese Mittel hier auf-
zuzahlen, und den erprobten Nutzen derselben zu schildern;
aber dem Verfasser eines österreichischen Handlungsrechrs
hatten sie offenbar nicht so ganz gleichgültig seyn, und
von ihm ganz mit Stillschweigen übergangen werden sol-
len. Und doch hat unser Verf. derselben auch kaum nur
Erwähnung gethau, so unendlichen Nutzen ihre genaue
Befolgung auch in dem gegenwärtigen Ieitpmrct stiften
würde, wo so viele Handelsleute gleichsam absichtlich
auf ein Falliment lvsarbeiten, und es als das leichteste
Mittel ansehen, sich mit dem Nachtheil ihrer gutherzigen
Gläubiger zu einem arrfthn lichen Vermögen, und dadurch
zu einem bequemen Leben und zu Ansehen emporzuarbei-
ten, oder vielmehr emporznfliegen, da von Arbeit hier
keine Rede seyn kann. Selbst in Wien haben wir genug
lebendige Zeugen solcher Speculationen, die nach ihrer
Krida in den kostbarsten Karossen auf den öffentlichen
Platzen herumkutschiren. Haben wir doch in deli neuesten
Tagen das auffallendste Beyspiel erlebt, daß der reiche
Handelsmann N. ein ungeheures Vermögen durchgearbei-
tet, und sich nun, nachdem er endlich zu einer Krida
feine Zuflucht genommen hat, sehr unglücklich fühlt, daß
ihn seine Familie jährlich blos mit 8oco fl. erhalten will.
Die Verordnung der alten Falliten-Ordnung, welche ge-
gen dergleichen beträchtliche Decoctore» selbst den Strang
verhängt, oder sie wenigstens an eine eigends zu errich-
tende Schandsäule cum vel sine relegatione gestellt wls«

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