Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 13 (1892))

8.5. Achim von Arnim über Savignys Buch vom Beruf unserer Zeit für Gesetzgebung

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Miscellen.

[Achim ton Arnim Aber Sarignjg Buch vom Beruf unsrer Zeit
für Gesetzgebung.] Bei der Durchsicht von Blättern, die in Varn-
hagens Nachlass auf die Königliche Bibliothek zu Berlin gekommen
sind, fielen mir zwei Briefe in die Hände, die Achim von Arnim im
Jahre 1814 an seinen Schwager Carl Friedrich von Savigny geschrieben
hat. Eigentlich nicht Briefe, sondern nur erste Niederschriften. Gänz-
lich undatirt, und vielleicht in der Reinschrift geändert. Trotzdem
scheinen diese Blätter werthvoll zu sein. Sie betreffen Savignys 1814
erschienenes Buch vom Beruf unsrer Zeit für Gesetzgebung und
Rechtswissenschaft.
Achim von Arnim war kein Jurist. Er hatte zwar in Halle bei
Dabelow Civilrecht, Lehnrecht und den Process gehört. Als Göttinger
Student war er Hugo näher getreten und auch später in Verkehr mit
ihm geblieben. Auch Rehberg kannte er wohl daher. Mit Thibaut wird
er noch häufiger während seiner Heidelberger Zeit in Berührung ge-
kommen sein. Doch eigentlich hatte Arnim die juristischen Studien und
namentlich auch die Beschäftigung mit der Physik nur als praktische
Vorbereitung auf seinen künftigen Beruf als märkischer Guts- und Ge-
richtsherr betrieben. Seine Neigung entschied ihn bald ganz und gar
für die litterarische Wirksamkeit. Seine Bedeutung für die deutsche
Litteratur wird immer freudiger anerkannt.
Arnims Urtheil über das Buch seines Schwagers ist also im fach-
wissenschaftlichen Sinne kein zünftiges. Aber auch kein oberfläch-
liches, dilettantisches. Das lag nicht in Arnims Natur. Was er an-
rührte, rührte er mit Liebe und Segen an. Damals schied sich die
Bethätigung der geistigen Kräfte unserer Nation weniger, als vielleicht
heute, nach Facultäten. Es gab eine höhere Vereinigung über die
Enge des Faches hinaus; in einer allgemeinen literarischen Schicht
fanden sich die besten Männer unseres Volkes zusammen. Savigny
seihst lebte zum Beispiel in den Schriften Goethes. Zu einer Zeit, wo
er schon juristischer Professor in Marburg war, gingen von ihm doch
so allgemeine Wirkungen aus, wie diejenigen waren, welche seine Zu-
hörer Jacob und Wilhelm Grimm auf das Gebiet der deutschen Litte-
ratur führten und fürder zu begleiten niemals aufhörten. Er pflegte die
juristische Litteratur immer auch im Verhältnis zur literarischen Bildung
überhaupt zu betrachten und wichtige Folgerungen daraus abzuleiten.
Savigny legte Werth auf das Urtheil eines so geistvollen und zugleich
praktisch erfahrenen Mannes, wie Arnim war. Deswegen werden die
Blätter Allen willkommen sein, die Savigny und Arnim lieben.
Im freudigen Gefühl der durch die vereinigten Kräfte wieder-
gewonnenen Freiheit entstand der Gedanke, ein allgemeines bürger-
liches Recht für Deutschland zu schaffen. Bedeutende Rechtslehrer
vertraten den Gedanken in eigenen Schriften. Savigny aber sprach
sich in seinem Buche dagegen aus. Es fehle den Juristen seiner Zeit
der historische Sinn, um das Eigentümliche jedes Zeitalters und jeder
Rechtsform scharf aufzufassen. Es mangele ihnen der systematische
Sinn, um jeden Begriff und jeden Satz in lebendiger Verbindung und

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