Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 13 (1892))

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Miscellen.

der Bruder des Erblassers ihm näher freund war, als die Enkel
desselben1), so kann man wohl hegreifen, wie gerade das Recht der
Widerf&lle, welches sich ja auf das gemeinsame von den Ahnen er-
erbte Familiengut bezog, zur Beeinträchtigung des Erbrechts der
weiteren Nachkommen benutzt werden mochte. Dagegen glaubte der
Bischof einschreiten zu müssen, wohl auch im eigenen Interesse, da-
mit die Güter nicht in die Hände fremder Unterthanen geriethen. Der
weitere Inhalt der Verwendung ist klar: er gipfelt in der Aufhebung
des Rechts der Widerfälle, an dessen Stelle dann durch das Kirchen-
recht die Hälftentheilung, aber unter Wahrung des Erbrechts der
weiteren Descendenz (§5), eingeführt wird. Von Interesse ist am
Schluss des Statuts noch die Berücksichtigung der vor Erlass desselben
eingetretenen Erbfälle, welche durch die Aufhebung nicht berührt
werden sollen.
II. Der Rechtsgedanke der Halbtheilung des Nachlasses ohne Rück-
sicht auf die Herkunft der Bestandtheile kommt in dem Kirchenrecht
nicht zum ersten Male zum Ausdruck; neu scheint nur die positive Ge-
staltung dieses Princips zu sein, insofern dasselbe schlechthin zum ge-
setzlichen erhoben wird. Durch private Anordnung war es wohl schon
vor Erlass des Kirchenrechts möglich den Grundsatz: paterna paternis,
mateyna maternis ausser Kraft zu setzen. Darauf deutet eine Urkunde,
von 1395 hin, welche sich in einem dotalitia et sententiae von 1377
bis 1402 enthaltenden Privilegienregister des Fürstenthums Breslau be-
findet* *). In diesem Protocoll wird beurkundet, dass Hannos Meyerlin
seiner Mutter Katherin all sein gegenwärtiges und künftiges Gut auf-
gereicht habe,
nach seynem tode zu tuen unde lossen mit sulchem undirscheit,
ob das got gebe das her eliche erbin gewönne dy auch lebinde
hieben, vor die selben kinder Sal seyne libe mutir denkin vnde
raten alzo her das er wolgloubt vnde getrawet adir noch erem
tode derselbin seiner lieben muter so mögen se selbir mit dem
gute thun vnde lossen vnd mit namen das das gut eyme kinde
an das andir solle sterben vnde das nicht eins dem andern solle
noch möge enpfremdin adir entwenden in kheinerleie weyse, se
hatten denne geerbin. wer abir das, das se storben vnde nicht
elich geerbin lebindig lisen, so sal alle das gut is wore varnde
adir vnvarende mitenandir an dir egenanten Hannos Meyerlins vnde
seyner muter Katherin gleich an beiden teilen nesten gevallen.
Somit möchte ich die von Gaupp a. a. 0. 8. 73 erhobene Frage,
ob "der Inhalt des Wenzeslaischen Kirchenrechts vollständig oder nur
zum Theil durch dep Bischof Wenzel neu eingeführt worden sei, etwas
*) Vgl. Hausier Institut, d. d. Privatrechts II § 184 8. 579 flg. —
*) Unter der Signatur F. Breslau III 13, b wird dieses Privilegien-
register in dem Königlichen Provincialarchiv zu Breslau aufbewahrt;
vgl. hierüber im Allgemeinen Bober tag, Die Gerichte und Gerichts-
bücher des Fürstenthums Breslau in der Zeitschrift des Vereins für
Geschichte und Alterthum Schlesiens, Band 7 (Breslau 1866) 8. 133 flg.

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