Metadaten : Ehrenberg, Richard: ¬Die Fondspekulation und die Gesetzgebung

18.  Jahrhundert.
29
„Wäre  der  Cours  Sache  vernünftiger  Berechnung,  dann
müsste  die  Bewegung  endlich  einmal  zum  Stillstand
kommen;  jene  Actien,  die  mit  Rücksicht  auf  den  künftigen ¬
  Ertrag  gekauft  wurden,  befänden  sich  nunmehr  in
festen  Händen,  und  das  Spiel  hätte  sein  Ende  erreicht;
das  liegt  jedoch  nicht  im  Sinne  der  Spieler;  sobald  eine
Stockung  eintritt,  wird,  wie  diese  Leute  sagen
—
„der  Kreisel  gepeitscht.“  —  Kann  Vernunft  und
Ehrlichkeit  bei  diesem  Hexensabbath  mitthun?  —  Vernunft? ¬
  In  Sachen  des  Spiels  hat  sie  keine  Stimme;
der  zu  ihrer  Fahne  schwört,  auf  den  deutet  man
mit  Fingern,  giebt  ihn  der  Lächerlichkeit  preis;
er  allein  ist  der  Thor,  die  Anderen  sind  die
Weisen.
Schärfer,  treffender,  als  es  hier  geschehen  ist,  kann  das  Wesen
des  eigentlichen  Börsenspiels  nicht  charakterisirt  werden;  dagegen
passt  diese  Schilderung,  wie  leicht  erkennbar,  durchaus  nicht  auf
die  nützliche  vernunftgemässe  Börsenspekulation.
Sehr  hoch  schlägt  Mirabeau  die  heilsame  Wirkung  einer
freien  Presse  an:
„In  Ländern,  welche  sich  der  Pressfreiheit  erfreuen,
wird,  was  bemerkbar  ist,  auch  sogleich  allgemein  bekannt.
Ein  Theil  der  Coursveränderungen  geschieht,  so  zu  sagen,
im  Vornehinein;  kluge  Spekulanten  können  den  Sturm
4  50)
daher  theilweise  vermeiden.
Was  dem  Spiele,  nach  Mirabeau,  erst  seine  eigentliche
verderbliche  Kraft  verleiht,  ist  das  Monopol,  dessen  die
lediglich  für  Spielzwecke  gegründeten  —  Actien-Gesellschaften
genossen.  Hierin  zeigt  sich  der  Vorfechter  jener  politischen  und
50)  Auch  diese  Bemerkung  zeugt  von  grossem  Scharfsinn  und  ist  theoretisch
unzweifelhaft  richtig;  nur  vergisst  Mirabeau,  dass  auch  die  „klugen  Spekulanten“ ¬
  meistens  von  den  Ereignissen  überrascht  werden,  da  sie  durch  die
Presse  über  den  Zeitpunkt  ihres  Eintretens  im  Voraus  nichts  Sicheres  erfahren -
  können  und  desshalb  ihre  Engagements  zu  lange  conserviren,  zumal  es
stets  noch  „klügere  Spekulanten“  giebt,  die,  durch  geheime  Quellen  besser
uinterrichtet  als  die  Presse,  diese  Kenntniss  zum  Nachtheile  der  „Klugen“  verwerthen; ¬
  den  unklugen  oder  unerfahrenen  Spekulanten  hilft  natürlich  die
Pressfreiheit  noch  weniger.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer