Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

Die niederdeutschen Verkehrseinrichtungen etc.

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Frankfurts unter der Regierung Ludwigs des Deutschen, dänn
Regensburgs unter der seiner Nachfolger verschob wohl etwas
den innern Zusammenhang der königlichen Domanialverwal-
tung, aber das ganze Gebiet blieb so wesentlich auf der Stufe
einfacher Naturalwirtschaft stehen, dass sich wohl etwas der
Umfang, aber durchaus gar nicht die Wirthschaftsführung der
königlichen Höfe veränderte.
Die Veränderungen, die sich überhaupt im ostfränkischen
Reiche im 9. Jahrhundert in jenen Beziehungen bemerken
lassen, vollzogen sich hauptsächlich westlich, zwischen Rhein,
Maas und Schelde.
Aber bevor wir sie und in ihnen die ersten Bewegungen
einer neuen Cultur betrachten, scheint es doch nothwendig,
daran zu erinnern, wie der Boden für diese Forschungen be-
schaffen und welche Gesichtspunkte für sie besonders ins
Auge zu fassen sind.
Es ist ein merkwürdig wenig beachteter Umstand, dass
in Ostfranken schon unter Ludwig dem Deutschen die schrift-
liche Verwaltung aufhört und dass in Folge davon der Be-
stand der Denkmäler für die Kenntniss unserer Verfassung in
der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts ebenso ausserordent-
lich dürftig ist, wie er in der ersten Hälfte reich und voll-
ständig erscheint.
Es giebt bis zur Zeit der Kechtsbiicher und der Stadt-
rechte in der ganzen nachkarolingischen Zeit keine Periode, die
sich an Sicherheit und Reichthum der Nachrichten dem Zeit-
alter Karls und seines Nachfolgers Ludwig, und keine, die sich
an trostloser Dürftigkeit dem Ende des 9., dem Anfang des
10. Jahrhunderts vergleichen lässt.
Weil dem so ist, so ergiebt sich daraus, dass wir nicht
allein berechtigt, sondern genöthigt sind anzunehmen, dass
Bezeichnungen und Dinge, die sich im Zeitalter Karls und
Ludwigs nicht erwähnt finden, aber unter den letzten Karo-
lingern und den Ottonen erscheinen, erst nach dem Zeitalter
Ludwigs des Frommen sich gebildet haben oder eingerichtet
wurden.
Mögen daher z. B. die praefecti urbium, die Burggrafen
öder Stadtgrafen, und andererseits die mercatores urbium
regalium, die Königskauf leute in ihrer Ottonischen Fassung

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