Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

Die niederdeutschen Verkehrseinricbtungen etc. I
in ihrem Gegensatz zu einander. Andere gehören überwiegend
Norddeutschland an, wie die „Hanse“; das „wikbelde“ endlich
nur Sachsen.
Es ist bekannt, dass bei diesen verschiedenen Begriffen
die ursprüngliche Bedeutung und der gegenseitige Zusammen-
hang zum Theil eben so unklar ist, wie bei der Gilde. Handelt
es sich doch bei ihrer Betrachtung wesentlich um die Anfänge
des deutschen Kaufmanns, ja des deutschen Verkehrs.
Um so mehr ist es angezeigt, sich, soweit möglich, den Zu-
sammenhang der ganzen Entwicklung vor Augen zu halten.
Die im Fränkischen Reich vereinigten Stämme waren
wesentlich bäuerlicher Cultur. Gerade dass sie sich alle vom
6. bis zum 9. Jahrhundert immer mehr und mehr von der
alten kriegerischen Lebensweise des Freien ab und dem Acker-
bau zuwandten, hatte dem Hause der Merowinger die Grün-
dung und Erhaltung ihres Reiches wesentlich erleichtert.
Bei der Thronbesteigung der Pippiniden war die ganze
Reichsbevölkerung in zwei grosse Hälften getheilt, die eine
wandte sich mehr und mehr dem Ackerbau zu, mochte sie
nun der Kriegspflicht sich schon vollständig entledigt haben
oder das Recht und die Ehre der Waffen neben der Arbeit
am Pflug aufrecht zu erhalten suchen, die andere kleinere,
hatte den Kriegsdienst und die kriegerischen Ehren nicht allein
für sich festgehalten, sondern eben dadurch in Heer und Ver-
sammlung eine neue aristokratische Stellung gewonnen; aber
auch sie fing gerade damals an, die Vortheile ihrer Stellung
zu grossen landwirtschaftlichen Betrieben zu verwerten.
Der Ackerbau war wesentlich die eigentliche nationale Arbeit.
Am bezeichnendsten dafür ist die Thatsache, dass unter Karl
dem Grossen der jüdische Kaufmann nicht allein ebenbürtig
dem christlichen zur Seite steht, sondern an einzelnen Stellen
als der eigentliche Vertreter des Verkehrs erscheint und dass
von den sämmtlichen Stämmen des Reichs nur die Friesen als
seefahrendes Küstenvolk in grösserem Umfang als kaufmännisch
beschäftigt erscheinen.
Karls Verwaltung selbst überwacht den vorhandenen Ver-
kehr mit einem gewissen Misstrauen, vor Allem im Interesse
des kleinen Freien. Gerade da, wo er sich gleichsam von

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