Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

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Karl Wilhelm Nitzsch,

Es wird jetzt darauf ankommen, sie in dem Zusammen-
hang mit den übrigen Yerkehrsinstituten zu betrachten, die
sich neben ihr ausgebildet hatten. Einige derselben sind allge-
meine deutsche, wie der „Markt“ sein Hecht und sein Friede,
und namentlich der Begriff des „Kaufmanns“ und des „Krämers“

Nitzsch sich die Ausführung des angegebenen Planes dachte, geht aus
dem vorhandenen Material nicht mehr hervor. Mitten auf Blatt 95
bricht er ab. Die letzten Zeilen müssen kurz vor seinem Tode ge-
schrieben sein.
In grossem Wurfe giebt er in diesem zweiten unvollendeten Theile
einen Abriss der deutschen Geschichte von der Völkerwanderung bis
auf Heinrich IV. In den Vordergrund stellt er die wirtschaftlichen
Verhältnisse und die Verfassungszustände. Im Wesentlichen decken sich
indessen diese glänzenden Ausführungen mit anderen seiner Arbeiten;
jedenfalls kehren die in ihnen enthaltenen Gedanken (manchmal sogar
in wörtlicher Uebereinstimmung) fast ausnahmslos in seiner „Geschichte
des deutschen Volkes“ wieder. Bei solchem Sachverhalt konnte ich
mich zu einer Publication nicht entschliessen. Mit Einwilligung der
Familie stelle ich diesen Resttheil dem verdienten Herausgeber der
Geschichte des deutschen Volkes zur Benutzung bei neuen Auflagen
zur Verfügung.
Wie gesagt, aus dem Hauptmanuscript ergiebt sich nicht mehr,
auf welchen Zusammenhang Nitzsch bei diesem letzten Werkstück hinaus
wollte. Nur soviel scheint mir zweifellos, dass er im weiteren Verlauf
die nachgelassene in den Forschungen zur deutschen Geschichte Bd. 21
8.277 ff. edirte Abhandlung über den Gottesfrieden in diesen Theil seiner
Untersuchung hineingearbeitet haben würde. Weitere Vermuthungen
anzustellen, zu deren Begründung sich allerdings mancherlei anführen
Hesse, ist hier nicht der Ort. — Hinsichtlich der Textgestaltung sei
bemerkt, dass zwischen diesem und dem ersten Aufsatz ein kleiner
Unterschied obwaltet. Glaubte ich früher die wichtigste Litteratur nach-
tragen zu sollen, so erwies sich das als fast undurchführbar bei den
Institutionen, über die die vorliegende Arbeit handelt. Kommt es doch
so wie so darauf vornehmlich an, festzustellen, wie Karl Wilhelm
Nitzsch über die Probleme gedacht hat, die seit seinem Tode die For-
schung unaufhörlich beschäftigt haben. Dass das im Sinne der Mehr-
zahl der Fachgenossen ist, haben mir die vielen Zuschriften bewiesen,
in denen die Drucklegung des ersten Aufsatzes mit Freude begrüsst
wurde.
Es ist mir zum Schluss noch eine angenehme Pflicht Herrn Pro-
fessor Dr. Karl Zeumer, dem die Familie die Gildemanuscripte über-
gehen hatte, vom Herzen dafür zu danken, dass er sie mir zur weiteren
Behandlung anvertraut hat.
Berlin, im Juli 1893.

Erich Liesegang.

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