Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

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tiitteratur.

noch weiter. 8.138 k. findet sich eine Klage, worin der Kläger anführt,
dass der Beklagte ihm rechtswidrig eine Kiste vorenthalte (iniuste ei
detinet et disforciat I cofre), die der Kläger von ihm für sechs Denare
gekauft habe. Davon habe er ihm zwei Denare und beverech (die Wein-
kaufsumme) sofort bezahlt. Als er aber zur Zeit der Fälligkeit den Rest
zahlen wollte, habe der Verkäufer die Annahme des Geldes und die
Herausgabe der Kiste verweigert, set omnino retinuit ad dampnum et
vituperium suum duorum solidorum. Also auch der Lieferungsverzug
des Verkäufers erscheint als iniusta detentio et disforciatio. In dem
Rechtsfalle 8.144 klagt Radulf gegen einen Schuster von 8. lves, dass
dieser gegerbte Thierhäute von ihm erhandelt habe für acht Schillinge,
quos nondum solvit sed contra pacem domini abbatis et baillivorum
suorum hucusque detinuit ad dampnum et vituperium suum dimidiae
marcae. In einem anderen Falle leugnen die Beklagten, die wegen
Geldschuld eines Genossen belangt werden, den Vorwurf des Friedens-
bruches, defendunt pacem domini abbatis et ballivorum ferie infractam.
Wie man sieht, wird die Mora nicht nur als Unrecht, sondern als
Friedensbruch und zwar als Bruch des Marktfriedens aufgefasst. Dem-
gemäss hat der Schuldige eine Vermögensstrafe zu dulden, die an den
Marktherrn zu zahlen ist (pro iniusta detentione in misericordia), ausser-
dem noch dem Gläubiger Genugthuung zu leisten (satisfaciat de pecunia).
Diese Genugthuung besteht aber darin, dass der Schuldner dem Gläu-
biger nicht nur den Betrag der ursprünglichen Vertragsschuld, sondern
auch Schadenersatz und Unehrenbusse (damnum et vituperium) ent-
richten muss.
Die eingeklagte Schuld ist in dem Rechtsfalle Brunns contra Walter
und Reginald Schuld aus einem Schuldbriefe mit einer qualificirten In-
haberclausei, die man wegen der Wendung cuicumque de suis wohl als
Stellvertretungsclausel bezeichnen darf.
Die Schuldforderung wird in zahlreichen Fällen nicht gegen den
Vertragsgegner, sondern gegen Genossen desselben, pares, participes et
communares geltend gemacht. Der Rechtsgrund der genossenschaftlichen
Haftung ist ein verschiedenartiger. Mitunter wird als solcher deutlich
die Thatsache des gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebs erkennbar; die
Haftung ist Haftung des Handelsgesellschafters. 8.149 wird eine Klage
gegen Thomas aus Rouen erhoben, weil in dessen Verkaufsbude dessen
Handlungsdiener Simon dem Kläger nach falscher Elle Kanevas verkauft
habe. Deshalb wird das Vermögen des Thomas mit Beschlag belegt,
donec per mercatores fiat inde iudicium (darunter ist nicht ein eigent-
liches Urtheil, sondern ein Wahrspruch auf Grund einer Inquisitio zu
verstehen, auf die sich Thomas berufen hatte und zu welcher 8.153:
omnes mercatores de tot communitatibus, quot sunt in nundinis
8. Yvonis, vor den Seneschall als Marktrichter vorgeladen werden).
Ausserdem werden aber aus jenem Anlass auch die Güter von drei
anderen Kaufleuten sequestrirt, weil sie jenem Thomas associati sunt
in eadem selda (Bude).
ln anderen Fällen wird gegen Kaufleute vorgegangen, weil sie als

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