Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

Litterator.

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die uns vorliegende, klar und übersichtlich geschriebene Abhandlung
des gelehrten Neapolitaner Professors, dem darum auch der deutsche
Forscher zu Dank verpflichtet ist. Die Schrift behandelt zunächst das
für uns nicht weiter in Betracht kommende römisch-byzantinische Recht
der nachjustinianischen Zeit, hierauf das germanisch-langobardische
sammt dem Lehnrecht und unter Berücksichtigung des Einflusses der
Kirche, und schliesslich das spätere bürgerliche, vornehmlich das der
Statuten. Dabei nimmt der Verfasser fortwährend auf das deutsche Recht
in den ausseritalischen Gebieten Bezug, vielleicht sogar etwas mehr, als
zum Verständnis der ja verhältnismässig sehr ausführlichen lango-
bardischen Quellen nöthig gewesen wäre. Gerade diese nicht eigentlich
zum Thema gehörigen Partien sind übrigens die am wenigsten gelungenen.
Zum Theil mag das allerdings davon herrühren, dass der Autor im
Ganzen die ältere Literatur zu viel, die neuere zu wenig benutzt hat.
Ansichten wie die von Barth, der in seiner „Urgeschichte Teutschlands“
das von Tacitus den Germanen gewiss deutlich genug abgesprochene
Testament auf einem Umwege doch wieder in die germanische Urzeit
hineinbringen wollte, brauchen nicht nur, wie Ciccagiione sagt, nicht
widerlegt zu werden, sondern verdienen nicht einmal besondere Er-
wähnung. Auch mit dem „Deutschen Privatrecht" von Griesinger-Danz
ist eine Auseinandersetzung heutzutage nicht mehr nöthig. Dagegen
würde die Abhandlung durch eingehendere Berücksichtigung von Heuslers
Institutionen, von Schröders und des ersten Bandes von Brunners Rechts-
geschichte bedeutend gewonnen haben, und wäre z. B. die Erörterung
über den Titel des salischen Gesetzes: De alodis bei Heranziehung der
Schrift von Rosin fruchtbarer geworden. Immerbin enthalten auch
diese allgemeineren Partien manche richtige Bemerkung. So wird man
Ciccagiione nur beistimmen können, wenn er ausführt, der Vater sei im
zwanzigsten Capitel der Germania des Tacitus wie übrigens auch im
Edict Rotharis wohl bloss deshalb nicht ausdrücklich als Erbe des Sohnes
genannt, weil ein Sohn, der vor dem Vater starb, in Folge der gemein-
samen Wirthschaft beider es eben in der Regel noch nicht zu einem
eigenen, dem Erbrecht unterliegenden Vermögen (auch an Fahrhabe)
gebracht haben konnte. Und ebenso begründet erscheint der Wider-
spruch, den er gegen Violljet erhebt, weil der letztere den Satz: Le mort
saisit le vif aus dem römischen, nicht aus dem deutschen Recht hat
herleiten wollen. Vor Allem aber wäre es unbillig, die Arbeit nur nach
diesen Excursen zu beurtheilen. Das Hauptgewicht liegt eben doch auf
der Behandlung des langobardischen und des späteren italienischen
Rechtes. Und hier erweist sich der Verfasser als gründlicher Kenn«
und besonnener Erklärer der Quellen und gelangt darum meistens zu
durchaus annehmbaren Ergebnissen, wenn ich auch nicht behaupten
möchte, dass nicht noch da und dort durch sorgfältigere Berücksichtigung
der Litteratur, z. B. der Untersuchung vorf Schröder über Gairethinx
im siebenten Bande dieser Zeitschrift 8. 53 ff. bezüglich Roth. c. 172,
richtigere, und durch tieferes Eindringen in das Material weitergehende
Resultate hätten erzielt werden können. Letzteres scheint mir nament-

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