Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

Litleratur.

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sentaverit vicem. Wey], dem es allerdings entgangen zu sein scheint,
dass ein Ernennungsrecht bezw. ein Zustimmungsrecht zur Ernennung
von Bischöfen durch Metropoliten schon in früherer Zeit von Vicaren
des apostolischen Stuhls ausgeübt worden ist (Hinschius, Kirchenrecht
I 8. 586 mit II 8.523 N. 2), deutet diese Stelle richtig dahin, der Papst
habe die Besetzung der betreffenden Bisthümer für die Zukunft seinem
Statthalter und damit sich selbst Vorbehalten wollen. Doch die Be-
stimmung blieb auf dem Papier. Karlmann und seine Nachfolger küm-
merten sich nicht darum und Würzburg —- Büraburg ging bald wieder
ein — wurde später nicht anders besetzt als die übrigen bischöflichen
Stühle. Aehnliche Erfahrungen wie in diesem Falle musste das Papst-
thum auch bei der Ernennung der Erzbischöfe machen. Weyl unter-
sucht diesen Punkt besonders eingehend. Er kommt zu dem Ergebniss,
ein päpstliches Mitwirkungsrecht bei Besetzung der erzbischöflichen
Stühle sei staatlicherseits von 752 bis 754 und dann von 784 ab aner-
kannt, dagegen von 731 bis 747 und um 780 bestritten worden. Dem
Referenten scheint dagegen das beigebracbte Material einfach zu ergeben,
dass das massgebende und entscheidende Wort auch bei der Besetzung
der Erzbisthümer der König resp. der Hausmeier sprach. Nothwendig
mitwirken musste der Papst nur dann, wenn der Ernannte oder in Aus-
sicht Genommene das Pallium erhalten sollte; zur Mitwirkung gewöhn-
lich hinzugezogen wurde er, wenn es sich zugleich um die Neuerrichtung
oder Wiederherstellung des Erzbisthums handelte; in den übrigen Fällen
aber verfuhren die Karolinger in diesem wie in andern Punkten so, wie
sie es bei der jeweiligen Lage der politischen und kirchlichen Ange-
legenheiten gerade für gut fanden.
Von sonstigen bemerkenswerthen Einzelheiten, die das Buch bietet,
sei die Erörterung über den Nachfolger des heil. Bonifaz im päpstlichen
Vicariat genannt, als welchen Weyl den Erzbischof von Mentana-Sens
bezeichnet, ferner die weitere über die ungünstigen Folgen, welche die
Einverleibung Roms für die Stellung des Papstthums hatte. Da und
dort wären auch Ausstellungen zu machen. So hätte z. B. bei der
Untersuchung der Frage, ob den Päpsten ein rechtlicher Einfluss auf die
Besetzung des Königs- und Kaiserthrones zukam, zwischen der Salbung,
die immer ein Geistlicher vollziehen musste, und der Krönung, die
kirchlich oder weltlich sein konnte, wie das seither durch Brunner ge-
schehen ist, unterschieden werden, und die verneinende Antwort mit
der staatsrechtlichen Bedeutungslosigkeit beider Handlungen begründet
werden sollen, nicht damit, dass auch andere Personen als der Papst
karolingische Fürsten gesalbt oder gekrönt haben. Volle Zustimmung
verdient aber Weyls Gesammtergebniss, demzufolge das Papstthum in
dem von ihm untersuchten Zeitraum bis 850 auf das fränkische Staats-
wesen gar keinen rechtlichen Einfluss gewonnen und auf kirchlichem
Gebiet es bloss zu einigen Ehren Vorrechten gebracht hat, nicht jedoch
zu -einem Primat über die fränkische Kirche.
Basel, im October 1893.

Ulrich Stutz.

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