Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 22 (1901))

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Litteratur.

frei sind. Neben ihnen werden noch immer die Betrachtungen von
Waitz (Yerfassungsgeschichte III. IV passim) ihren Platz behaupten
und auch die entsprechenden Abschnitte in dem nicht durchweg ge-
lungenen, aber gut gemeinten und fleissigen Buche von Ketterer (Karl
d. Gr. und die Kirche 1898, 8. 117 ff.), für die zweite Hälfte des neunten
Jahrhunderts und ein landschaftlich begrenztes Gebiet die Nachweise
bei Parisot (Le royaume de Lorraine sous les Carolingiens 1898,
8. 699 ff.) in Betracht kommen. Schuld an jener Verschwommenheit
trägt weiterhin die auffallend geringe Berücksichtigung der kirchlichen
Rechtsquellen, insbesondere der Concilienbeschlüsse. Gerade für das
neunte Jahrhundert stehen diese in reicher Fülle dem Forscher zu Ge-
bote; sie geben, um nur eine Seite ihres Werthes hervorzuheben, Auf-
schluss über den Gang der kirchlichen Verwaltung und Rechtsprechung
im Einzelnen, während die königlichen Capitularien in dieser Hinsicht,
trotz ihrer zahlreichen Normativbestimmungen, nicht erschöpfend sein
können. Besonders fühlbar ist dieser Mangel bei dem Capitel über
die geistliche Gerichtsbarkeit (5, 828ff.), wo die Prozesse Hinkmar’s
von Reims mit den von Ebo geweihten Geistlichen, mit Rothad von
Soissons späterhin und Hinkmar von Laon zum mindesten Erwähnung
verdient hätten. Gerade das von D. benutzte Buch von Nissl (Ge-
richtsstand des Clerus im fränkischen Reich 1886) bot werthvolle
Fingerzeige. Hier war (8. 77) eine Antwort zu finden auf die 8. 838
Anm. 8 gestellte Frage nach dem Wesen der electi iudices, S. 71 eine
richtige Deutung der testes confessores bei der Resignation des Erz-
bischofs Ebo von Reims im Jahre 835, die 8. 337 als Richter bezeichnet
werden. Aus dem neunten Jahrhundert sodann ist eine stattliche Anzahl
von Capitula episcoporum überliefert (vgl. Neues Archiv XXVI, 665ff.):
ihre Heranziehung hätte den Paragraphen über die Amtspflichten der
Erzbischöfe und Bischöfe (8. 217ff.) um ein Beträchtliches inhaltsreicher
gestaltet. D. citirt wohl die Regula Chrodegangi, die Institutiones
canonicorum et sanctimonialium des Aachener Concils von 816, aber
er beutet sie nicht gehörig aus. Wie ganz anders weiss Hauck (Kirchen-
geschichte Deutschlands II *, 62 ff.) die Ordnungen des Metzer Bischofs
zu veranschaulichen (vgl. auch Oelsner, König Pippin 1871, 8.206).
Mittelbar wurden sie für die Aufzeichnungen über die Pflichten der
canonici und sanctimoniales benutzt, aus denen z. B. die Angaben über
den Umfang stiftischen Besitzes (Inst. can. c. 122) zu 8. 282 lehrreiche
Nachträge liefern. Dass endlich der Paragraph über die Arten der
Kirchen das Werk von Stutz (Geschichte des kirchlichen Beneficial-
wesens I. 1895) nicht benutzt, ist recht bedauerlich.
Ueberall und überall verspürt D. die Verquickung von weltlichem
und geistlichem Wesen;, in immer neuen Wendungen kommt er auf sie
zurück. Schon in der ersten Abtheilung hatte er die theokratischen
Wahnvorstellungen Karl’s des Grossen getadelt (vgl. diese Zeitschrift
XX, 275), nun glaubt er ihn erschöpfend zu charakterisiren, wenn er
schreibt (5,193): „Neben der Verbreitung des Christenthums unter
den Heiden, der Aufrechterhaltung der reinen Lehre — auch gegen

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