Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 22 (1901))

Litterator.

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ist dies Urtheil zu hart. Da Hinkmar’s Vorlage fehlt, gebricht es an
der Möglichkeit, im Einzelnen seine Abweichungen von der Schrift
Adalhard’s aufzudecken. Er kann sie geändert haben, wie Pron (Ein-
leitung seiner Ausgabe 1884, 8. XVIIIf.) annimmt; besser jedenfalls ist
mit Schrörs (Hinkmar Erzbischof von Reims 1884, 8. 441) zu sagen:
„Dass Hinkmar den Stoff mit steter Rücksichtnahme auf die gegen-
wärtigen Bedürfnisse und Schäden ausgewählt haben wird, bedarf
keines Beweises, wie es auch klar ist, dass er hie und da Zusätze ge-
macht hat.“ Diese aber mochte er aus eigener Kenntniss anfügen;
sein Vorbild hat er darum noch nicht entstellt. — S. 162 wird das
Institut der missi dominici als der Kirche entlehnt bezeichnet. Gewiss
lassen sich missi von Priestern, Achten. Bischöfen u. s. f. nachweisen,
aber mit gutem Grunde hat Krause (Geschichte des Instituts der missi
dominici 1890, 8. 6) hervorgehoben, dass die Anfänge der missi in die
Zeit Karl Martell’s und Pippin’s zurückreichen, also weltlichen Ur-
sprungs sind, den auch Waitz (Verfassungsgeschichte. III*, 8. 453
Anm. 2) gegen die von Eichhorn aufgestellte und von Dahn über-
nommene Ansicht vertheidigt.' — Abth. 5,143 beruft sich Dahn, um
Karl Martell’s Vorgehen zu kennzeichnen, auf die Vita Eucherii. Wenige
Seiten später (8. 151 Anm. 4) wird sie „arg und plump“ genannt, so-
dass ihre Verwerthung unerklärlich bleibt. — 8.195 heisst es: „Die
bewunderungswürdigen Fälschungen Benedicts, Isidors, auch die von
Le Mans zum Theil, verfolgen vor Allem den Zweck, die Streitfragen
jener Tage zwischen Stat und Kirche als längst zu Gunsten der Kirche
entschieden darzustellen.“ Aus dieser Zusammenfassung müssen zu-
nächst die Gesta episcoporum Cenomanensium und die Gesta Aldrici
ausscheiden, da die in ihnen überlieferten Urkunden sich nachweislich
auf Besitz- und Herrschaftsansprüche der Kirche von Le Mans be-
ziehen (vgl. Roth, Geschichte des Beneficialwesens 1850, 8. 451 ff.).
Benedictus Levita schmiedete seine Fälschungen besonders auf den
Namen Karl’s des Grossen und Ludwig s des Frommen, um das Recht
und die Rechtsprechung der Kirche gegen die weltliche Gewalt sicher-
zustellen. Am ehesten noch treffen D.’s Worte auf Pseudoisidor zu,
dessen vielseitigen und vieldeutigen Absichten freilich nicht in eine
einzige knappe Formel sich zusammendrängen lassen werden.
Die beiden letzten Beispiele sind dem Abschnitt über das Kirchen-
wesen entnommen, dessen Bestimmung es zu sein scheint, E. Löning’s
leider unvollendete Geschichte des deutschen Kirchenrechts fortzu-
setzen. Das V orbild ist nicht erreicht. Schuld daran trägt einmal die
Ausdehnung der Untersuchung auf einen allzugrossen Zeitraum, der
durch die Regierung Karls des Grossen in zwei, ihrer inneren Natur
nach verschiedene Perioden zerfällt. Der Regelung kirchlicher Ver-
hältnisse unter thätiger Mitwirkung der weltlichen Gewalt folgt deren
Suprematie, bis. sie die Vorherrschaft der Kirche nach und nach ab-
löst. In jeder Darstellung müssen die Einschnitte der Epochen scharf
hervorgehoben werden: gerade dies aber vermisst man bei D., dessen
Ausführungen deshalb von einer gewissen Verschwommenheit nicht
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXII. Germ Abth.

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