Full text: Archiv für das Zivil- und Kriminalrecht der Königlich-Preussischen Rheinprovinzen (Bd. 77 = N.F. Bd. 70 (1887))

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fahren nur die grundlegenden Prinzipien angenommen hatte,
im Uebrigen aber vielfach abwich, unsympathisch gegenüber
stand. Allein, war es ihm auch schwer, sich mit dem neuen
Prozeßverfahren zu befreunden, so hat er sich doch mit außer-
ordentlichem Pflichteifer in dasselbe eingearbeitet und überall im
Bezirke auf die genaue Durchführung desselben strenge gehalten.
Wie an sich selbst, machte er auch an Andere die höchsten
Anforderungen, sowohl was treue Pflichterfüllung, als Tüch-
tigkeit der Leistungen betraf, war aber dabei im höchsten Grade
gerecht und unparteiisch. Insbesondere kannte er auch bei
Bearbeitung der Personalien keinerlei Begünstigung und Be-
vorzugung.
Wenn er den persönlich ihr Gesuch Vortragenden öfters
wenig entgegenkommende Formen zeigte und es verschmähte,
dieselben mit bequemem Versprechen und Hoffnungmachen ab-
zuspeisen, so trug er das Wohlwollen, welches ihm nicht auf
die Zunge wollte, desto wärmer im Herzen. Erachtete er ein
Anliegen nach gewissenhafter Prüfung für sachlich gerechtfertigt,
so fand es in ihm einen energischen Förderer und Vertreter.
Ende des Jahres 1886 nahm er seinen Abschied wegen
eines Magenleidens, dem er dann bald darauf erliegen sollte.
Heimsoeth's Name ist mit der Geschichte der Entwickelung
des gemeinsamen Deutschen Rechts für alle Zeiten verknüpft.
Sein Bild wird in den rheinischen Gerichtssäälen stets als das
eines der ausgezeichnetsten Richter und bewährtesten Kenner
des rheinischen Rechts hochgehalten werden. Was er als
Chef-Präsident für den Bezirk durch seine tüchtige und gewissen-
hafte Amtsführung geleistet hat, wird Allen unvergeßlich bleiben.
Uns aber, denen der Dahingeschiedene näher stand, ist
das Gedächtniß an seine unparteiische Gerechtigkeit, an die ge-
winnende Biederkeit seines Charakters, wie an das aufrichtige
Wohlwollen, das er Jedem durch die That bewies, für immer
in's Herz geschrieben.

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