Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 58 (1914))

9.13. Hacmann, Beiträge zum Wechselrechte

Hacmann, Beiträge zum Wechselrechte.

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legen. Und in welche schwierige Lage kämen die Gerichte, wären sie
darauf angewiesen, um über die sachliche Zuständigkeit und über die
Zulässigkeit eines Rechtsmittels zu befinden, an einen derartigen Streit-
gegenstand den dafür schlechthin ungeeigneten Werlmaßstab des Geldes
anzulegen! Das Ehreninteresse des ausgeschlossenen Kleinbürgers würde
schwerlich niedriger veranschlagt werden dürfen, als das des großen
Mannes, den nran bei freier Ausschließungsbefugnis nicht mehr für
vornehm genug gehalten hat, fernerhin der erlesenen Gesellschaft eines
geselligen Klubs anzugehören. Oft würde auch die Verneinung der
Revisibilität wegen unzureichenden Geldwerts als eine neue Ehrenkränkung
und als willkürlich empfunden werden.
Alles dies dürfte von den studentischen Ausschließungserklärungen
und der herkömmlichen Art, wie sie in temperamentvollen Ausdrucks-
formen beschlossen und kundgegeben werden, gleichfalls gelten, wobei
übrigens die reichsgerichtliche Rechtsprechung wohl schon zu weit gegangen
ist, wenn sie, insofern mit dem Vers, übereinstimmend, das entscheidende
Gewicht allein auf die rein mechanische Bedeutung des Ausschließungsakts
als einer Form der Mitgliedschaftsbeendigung gelegt hat. Die vom Verf.
nebenher betonte Eindruckslosigkeit eines Urteils, das die Unwirkfamkeit
einer solchen Ausschließung feststellt, tut in diesen und in ähnlichen Fällen
nichts zur Sache. Denn unr eine Wiederherstellung des Ehrenstatus
handelt es sich dabei nicht. Niemand aber braucht eine Ausschließung
über sich ergehen zu lassen, er müßte denn selbst satzungsgemäß durch
seinen Beitritt oder durch sein Verbleiben im Verein sich ihr ausgesetzt
haben. Seine Feststellungsklage ist das Nächstliegende, natürliche und auch
nach sozialen Anschauungen kaum entbehrliche Mittel der Abwehr.
Leipzig. Krantz.

63.
Leiträgezum Wechselrcchte, mit besonderer Berücksichtigung des unlauteren
Wechselverkehrs. Von Or. sur. Max Hacmann. Breslau 1913. M. L H.
Marcus. (M. 12,—.)
Der Vers., offenbar ein österreichischer Jurist, aber in Deutschland
bereits bekannt durch einen Aufsatz über Gefälligkeitswechsel und Wechsel-
reiterei (ArchBürgR. 36, 139 ff.), geht in seinem überaus gründlichen
Buche mit großem Eifer — so groß, daß er bisweilen in einen jour-
nalistischen Stil verfällt — wohl fast allen Erscheinungsformen des un-
lauteren Wechselverkehrs zu Leibe. Nach einer allgemein orientierenden
Einleitung wird ein — fast ein Lehrbuch ersetzender — Streifzug durch
das ganze Wechselrecht getan unter steter Erwähnung der zum Teil durch
die gesetzlichen Vorschriften selbst ermöglichten Wechselmißbräuche. Im
zweiten Teile werden diese, unter Zuhilfenahme unzähliger praktischer
Fälle, im einzelnen systematisch dargestellt und werden die Wege ge-
wiesen, auf denen ihnen bereits — jedenfalls nach Ansicht des Verf. —
d6 lege lata entgegengetreten werden kann. Der Schlußteil behandelt
den Art. 82 WO. und die rechtliche Natur des Wechsels. Hier, wie
Beiträge, 58. Jahrg. 3. u. 4. Heft. 35

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