Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 58 (1914))

9.11. Saenger, Gemeinschaft und Rechtsteilung

Saenger, Gemeinschaft und Rechtsteilung.

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nicht in diesem Maße verdiene, und weil es gegen „das natürliche
Rechtsempfinden des Deutschen Volkes" verstoße. Bei der nachge-
wiesenen Fehlerhaftigkeit des Katasters betätige der nicht die Sorgfalt
eines ordentlichen Geschäftsmanns, der sich bei Erwerb oder Beleihung
von Grundstücken lediglich auf das Kataster verlasse. Ihm sei noch
kein Fall vorgekommen, in dem der als Erwerbsgrund behauptete gute
Glaube an die Richtigkeit des Katasters zutraf (420 ff.).
Von den Lesern wird mancher den Anschauungen des Vers, beitreten
oder sich wenigstens darüber nicht wundern, daß die vom Reichsgericht
aufgestellte Rechtsnorm unter den Landmessern Verwunderung erregt
hat. Aber auch der Zurist, der die Ansichten des Vers, nicht teilt,
wird ihm dafür Dank wissen, daß er sein Wissen über die Kataster-
einrichtungen, welche bei der herrschenden Ansicht für das Liegenschafts-
recht so weittragende Bedeutung haben, veröffentlicht hat.
Marklissa. Amtsgerichtsrat Fröhlich.

61.
Gemeinschaft und Rechtsstellung. Von vr. jiir. August Saenger, Privat-
dozent an der Akademie für Handels- und Sozialwissenschaft in Frankfurt
a. M. Marburg 1913. N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung. (M. 3,—.)
Diese Schrift stellt das 19. Heft der von Professor vr. Ernst
Heymann in Marburg herausgegebenen Arbeiten zum Handels-, Ge-
werbe- und Landwirtschaftsrechte dar.
Nach den eigenen einleitenden Worten des Verf. soll Aufgabe der
vorliegenden Darstellung sein, an Hand eingehender Würdigung der
historischen Entwicklung den Nachweis zu versuchen, daß im Falle einer
schlichten Gemeinschaft im Sinne der §§ 741 ff. BGB. die Frage nach
der Zuständigkeit der „gemeinschaftlichen" Rechte von der herrschenden
Meinung unrichtig beantwortet wird, und daß die aus der herrschenden
Grundauffassung abgeleiteten praktischen Konsequenzen irrig sind.
Die Literatur ist sehr reichlich benutzt. Nach einer Einleitung,
die das Problem und seine Bedeutung, Abgrenzung der Aufgabe und
die leitenden Gesichtspunkte bespricht, wird im Hauptteile nach voraus-
gegangener eingehender Behandlung der historischen Entwicklung auf
den Rechtszustand nach dem BGB. eingegangen. Es wird zunächst die
herrschende Lehre besprochen, dann folgt eine Kritik der herrschenden
Lehre und zwar im einzelnen: Der Gesetzeswortlaut, Dogmatsche Gründe
(Welche Rechte sind teilbar? Begriff der Teilung überhaupt. Begriff
der rechtlichen Teilung. Ist das Eigentum ein teilbares Recht?), Ab-
hängigkeit der Entscheidung von der Beantwortung der Frage nach der
Teilbarkeit der im Eigentum enthaltenen Einzelbefugnisse, Teilbare Be-
fugnisse, Unteilbare Befugniffe, Das Ergebnis der Untersuchung und
seine Bedeutung, Praktische Folgerungen. In einem Schlußkapitel ist
das Anwendungsgebiet der Bruchteilgemeinschaft behandelt. — Verf.
kommt zu dem Schluffe, daß nahezu alle wesentlichen, rechtlichen und
tatsächlichen Befugniffe des Eigentümers ihrem innersten Wesen nach

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