Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 58 (1914))

324

Das Blankett.

Wendung des Vertrauensprinzips auf den Urkundenschein in dem
dargelegten Umfange die Grundsätze über den gutgläubigen Erwerb
vom Nlchtberechtigten Anwendung zu finden habe.
Was ferner die Wirkungen der Ausfüllung eines abhanden-
gekommenen Blanketts anlangt, so ist zuzugeben, daß hier das
Vertrauensprinzip an sich Anwendung finden könnte, wenn der
Blankozeichner fahrlässigerweise das Abhandenkommen ermöglicht
hätte, Die Haftung des Blankozeichners eines abhanden ge-
kommenen Blankowechsels läßt sich jedoch für die Fälle, in denen
überhaupt die Übergabe des Wechselblanketts in ihrer Wirkung der
Übergabe des ordnungsmäßig zustande gekommenen Wechsels gleich-
zustellen ist, aus einer analogen Anwendung des Art. 74 WO. her-
leiten. ia?)
Gehen wir nunmehr zur Betrachtung der übrigen Blankowert-
papiere über, so gellen, wie schon erwähnt, die vorstehenden, auf die
Wechselblankette bezüglichen Ausführungen grundsätzlich ebenso für
den Blankoscheck, die kaufmännische Blankoanweisung sowie die
sonstigen Skripturrechtsobligationen, da sie nicht aus spezifisch wechsel-
rechtlichen, sondern aus allgemein skripturrechtlichen Erwägungen her-
geleitet sind.
Eine gesonderte Behandlung erfordert der Blankokreditbrief.
Dieser kann z. B. die Person des Adreffaten unbenannt lasien (sog.
Generalkreditbrief);^8) ferner aber kann auch die Summenangabe
fehlen (illimitierter Krediibrief, auch Leerockitio in dluneo genannt). 139)
Die Besonderheit dieses Rechtsinstituts gegenüber den sonstigen
Blanketten besteht darin, daß weder die Angabe der Person des
Adreffaten, noch die Summenangabe überhaupt zu den Essentialien
des Kreditbriefs gehört, so daß ein derartiges Blankett der Vervoll-
ständigung gar nicht bedarf. Daraus ergibt sich die Besonderheit,
daß nicht nur, wie dies bei sonstigen Blankowertpapieren die Regel
ist, der mißbräuchlich ausgefüllte Krediibrief dem gutgläubigen
Adreffaten eine hinreichende Vertrauensgrundlage bietet, sondern daß
auch das Akkreditiv mit fehlender Summenangabe den Adreffaten

136) Vgl. auch Stranz bei Staub Art. 7 Anm. und in seinem Kommentare
bei Guttentag zu Art. 82 WO. Anm. 46.
187) Zm Ergebnis übereinstimmend Staub zu Art. 7 WO. § 10 (4); Reh-
bein-Mansfeld 33 zu Art. 7 WO. Nr. 3.
138) Vgl. Cohn in Endemanns Handbuch 2, 1128.
13#) Vgl. Gareis, Handelsrecht 587 § 67 Nr. 2.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer