Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 55 = H. 109/110 (1840))

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erzielten Kinder sind sich durchaus gleich, wahrend alles
Vermögen der zweiten Frau, gleichwie das der ersten Frau,,
ins Sammtgut fließt. Daß somit der Vater so wenig
dann, 'wenn er sich wieder verheirathet, als in dem-Fall,
da er im Wittwenstande verbleibt, mit keinerlei Sicherheits-
leistung zu Gunsten seiner Kinder oder einer Znventar-
errichtung behelligt werden kann, versteht sich von selbst.
-Anders macht sich die Sache, wenn die Ehefrau
und Mutter den Ehemann lind Vater überlebt. Inso-
fern sie Stiefmutter ist, muß sie sich mir ihren Stiefkin-
dern sofort auseinandersetzen und denselben ihre Kindes-
theile hcrausgeben. Mil ihren leiblichen Kindern dagegen
mag sie frei und unbesprochen in dem Stammgute sitzen
bleiben, vorausgesetzt, das sie sich wohl und ehrlich hält,
und nicht zur zweiten Ehe schreitet, als in welchen
beiden Fällen die Abtheilnng sogleich vollzogen werden soll.
Zwar finden sich in unscrm ersten Statut auch noch zwei
andere Abthcilungsgründe angegeben:
1) Wenn ein Sohn zu seinen Jahre» gekommen ist, lind
sein Erbthcil verlangt.
2 Wenn eine Tochter sich verheirathet.
Zn beiden Fällen soll auch die leibliche Mutter ihren
Kindern deren Erbthei! verabfolgen lassen, vorausgesetzt
daß die, einen Familienrath bildenden, nächsten Anver-
wandten diese Herausgabe billigen.
Zndessen müssen diese beiden letzten Abtheilungsgrun-
de, zumal die ganze Einrichtung des Familienraths bei uns
längst veraltet ist, als nicht mehr praktisch betrachtet
werden.
Wir erinnern uns nicht, daß seit Menschengedenken
eine Wittwe wider ihren Willen zu' einer solchen. Abthei-
lung genöthigt worden wäre. Ueberdies hat das hiesige
Öbergericht vor ungefähr 10 Zähren schon, als einmal ein
Schwiegersohn ans dem zweiten Grunde uxorio nomiu«
die Abthcilung begehrte, denselben in zwei Znstanzen mit
seiner Klage abgewiesen,
„weil vermöge notorischer Gewohnheit die nach dem
„7tcn Statut sitzenbleibende Mutter, so lange sie sich
„wohl und ehrlich halte, und nicht zur zweiten Ehe
„schreitet, heutiges Tages keineswegs von ihren Kirü

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