Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 50 (1906))

14.3. Hölder, Natürliche und juristische Personen

702

Literatur.

Inhalt bieten. Zu jener rechne ich die dem Gesetzestexte Vorgesetzten
Inhaltsangaben, die den systematischen Zusammenhang klarstellen, und
die Verweisung auf ähnliche oder abweichende Bestimmungen des BGB.
und anderer Reichsgesetze, die häufig mit einer orientierenden Notiz ver-
sehen find, um den Punkt der Vergleichung oder Abweichung hervorzu-
heben. Dankenswert sind auch die den einzelnen Abschnitten des Ge-
setzes voraus geschickten und meist an die Überschrift angeschlossenen Be-
merkungen. Sie bieten in der Regel einen grundlegenden Überblick,
scheiden das nicht zugehörige aus und fassen die gemeinsamen, den Ab-
schnitt beherrschenden Grundsätze zusammen. Zn ihnen steckt viel Arbeit,
sie sind aber auch für das Verständnis des Ganzen und für ein Erfassen
der Gliederung des Gesetzes fördersam gewesen. Ich verweise z. B. aus
dem allgemeinen Teile auf die Vorbemerkungen zu den Abschnitten:
„Rechtsgeschäfte" (51), „Verjährung" (111), aus dem zweiten Buche
auf die zu den Titeln: „Gesellschaft" (385), „Unerlaubte Handlungen"
(964), und aus dem dritten Buche auf die eingehenden Vorbemerkungen
zu seiner Überschrift und allen Unterabschnitten. Die Anmerkungen
geben in möglichster Kürze möglichst viel; sie berücksichtigen auch die
landesgesetzlichen Ausführungsbestimmungen. Daß die Verf. sich mit
Literaturnachweisen nicht eingelassen haben, ist nur zu billigen; wer sie
sucht, mag einen Kommentar zur Hand nehmen. Dagegen ist die Recht-
sprechung, soweit es im Rahmen einer Handausgabe möglich war, be-
rücksichtigt und bis auf die Gegenwart ergänzt werden (z. B. Note 3 zu
§ 1168). Beigegeben ist ein sehr sorgsam ausgearbeitetes Sachregister;
es umfaßt nicht weniger als 85 Seiten und ist, soweit ich mich durch
Stichproben habe überzeugen können, durchaus zuverlässig.
Das Buch kann allen beteiligten Kreisen, auch Studierenden und
Laien, die sich ohne Führung in dem Gesetze nicht zurechtsinden würden,
bestens empfohlen werden. Jaeckel.

76.
Natürliche und juristische Personen. Von Dr. Eduard Holder, Professor
der Rechte in Leipzig. Leipzig 1905. Duncker & Humblot (M. 8,—).
Dieses Werk des bewährten Rechtslehrers und scharfsinnigen Theo-
retikers zeigt, daß über das alte viel behandelte Problem immer noch
neue Aufschlüsse gewonnen werden können. Zumal das Wesen der
juristischen Person scheint ein unerschöpfliches Thema zu sein, und der
Versuch des Verf., diese Lehre auf neue Grundlagen zu stellen, wird
schwerlich der letzte sein. Der Verf. tritt sowohl der Annahme einer
realen Verbandspersönlichkeit (Gierke), wie der Brinzschen Lehre vom
Zweckvermögen entgegen, kehrt aber auch nicht einfach zur älteren
Theorie zurück. Neu ist bei ihm die enge Verknüpfung der Persönlichkeit
mit dem Amte derjenigen, welche die Angelegenheiten der Korporationen
und Stiftungen zu verwalten haben. Die Träger des Amtes sind Ver-
treter der Menschen, um derentwillen es besteht, das Amt aber als ein
dauerndes ist unabhängig vom Wechsel der Träger. Die juristische
Person ist das personifizierte Amt. Das Vermögen ist Amtsvermögen.

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