Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 50 (1906))

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Literatur.

des für sie in Betracht kommenden Rechtsstoffs geben; er hat es sich
zur Aufgabe gestellt, „das vorhandene Material, vor allem die ergangene
Rechtsprechung in möglichster Vollständigkeit zusammenzutragen, ferner
durch Gesetzesauslegung, Aufzeigung des Zusammenhanges durch Fest-
stellung von Sinn und Tragweite der einzelnen Bestimmungen für die
Praxis einen zuverläffigen Führer und Berater zu schaffen".
Der Verf. hat seine Aufgabe im wesentlichen gelöst; er gibt eine
Art Enzyklopädie des preußischen Jagdrechts. Beginnend mit den Be-
stimmungen des BGB. über die Jagd, läßt er nach einigen allgemeinen
Abschnitten folgen: das Gesetz betr. die Aufhebung des Jagdrechts auf
fremdem Grund und Boden usw. vom 31. Oktober 1848, das preuß. Jagd-
polizeigesetz, Wildschongesetz, die Bestimmungen des BGB. über Wild-
schaden, das preuß. Wildschadengesetz, das Jagdscheingesetz, die beson-
deren, in einzelnen Teilen Preußens geltenden Jagdvorschriften, das
Reichsgesetz betr. den Schutz von Vögeln, die Jagdvergehen und -Über-
tretungen des StGB., einen Abschnitt vom Rechte zum Waffengebrauch,
vom Rechte der Notwehr usw. nach BGB., vom Rechte auf abgeworfene
Wildstangen, über Versicherung der Jagdausübungen usw., das Reichs -
gesetz über die Prüfung der Läufe und Verschlüsse von Handfeuerwaffen.
Den Beschluß macht eine eingehende Darstellung des in Preußen be-
stehenden Rechtes zur Tötung revierender Hunde und Katzen.
Das Material ist mit großer Sorgfalt zusammengetragen, vielfach
sind sogar die in den einzelnen Provinzen geltenden Polizeiverordnungen
herangezogen; unter den jagdbaren Tieren werden ausführlich die Ka-
ninchen behandelt. Das Buch schließt mit dem Jahre 1904 ab, das
Wildschongesetz ist noch mitbehandelt; die Änderungen, welche seine
Emanation für die damals bereits fertiggestellten Kapitel der neuen
Auflage im Gefolge hatte, sind in Form von Berichtigungen dem Buche
vorangeschickt; das übrige Material, welches aus der Zeit der Druck-
legung stammt, ist in einem Nachtrage zusammengestellt.
Der Kommentar soll nicht nur dem Juristen, sondern auch dem
Laien dienen; der Jurist muß daher stellenweise einige Längen und
Wiederholungen in Kauf nehmen. Die Anordnung des Stoffes ist,
wie die Übersicht ergibt, eine ziemlich äußerliche, was sich genugsam
aus der Mannigfaltigkeit des Stoffes erklärt, die Übersicht und das
Zurechtfinden aber erschwert. An einzelnen Stellen, so in den Dar-
legungen über das Recht auf abgeworfene Wildstangen, würde eine
schärfere Systematik das Verständnis erleichtern. Bei Mitteilung der
Polizeiverordnungen über den Kaninchenfang ist übersehen, daß die
dort abgedruckte Polizeiverordnung für Brandenburg durch eine neuere
vom 4. Juni 1902 mit schärferen Anforderungen außer Kraft ge-
setzt ist. Doch treten diese Nachteile hinter den Vorzügen zurück; und
man kann unbedenklich sagen, daß das Werk demjenigen, welcher in seiner
Anordnung heimisch geworden ist, über die meisten einschlägigen Fragen
eine ausreichende und zuverlässige Antwort geben wird. Ein gutes
Inhaltsverzeichnis erleichtert das Zurechtfinden.
Oranienburg. Dr. Heinrici.

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