Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 50 (1906))

Haftpflichtgesetz.

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1880 (Rep. 43/80) einen Betriebsunfall mit Rücksicht auf die dem
Eisenbahnbetrieb eigentümliche Gefahr gegeben, die durch die Ab-
lenkung der Flugbahn und die Wirkung des Ausfallens eines aus
einem im Laufe befindlichen Eisenbahnwagens geworfenen Gegen-
standes begründet werde, den Einwand der höheren Gewalt aber da-
durch für ausgeschloffen, daß ein derartiger Unfall durch geeignetere
Vorkehrungen als die bestehenden verhütet werden könnte, der Unfall
aber überdies in der gefährdenden Natur des Eisenbahnbetriebs selbst
feinen Grund habe.
Die Revision bestreitet das Vorhandensein eines Betriebsunfalls
im Sinne des § 1 HaftpstG. Ein aus einem Eisenbahnzuge hinaus-
geworfener Gegenstand richte nicht mehr Schaden an, als wenn er
aus einem schnellfahrenden Fuhrwerke hinausgeworfen werde. Die
Flugbahn könne in beiden Fällen nicht berechnet werden. Auch die
Kraft, mit welcher der Gegenstand aufschlage, sei in beiden Fällen die
gleiche. Es fehle daher der ursächliche Zusammenhang zwischen dem
Unfall und der Eigenart des Eisenbahnbetriebs. Jedenfalls liege
höhere Gewalt wegen der Unabwendbarkeit des durch die Betriebs-
ordnung verbotenen Hinauswerfens von Gegenständen aus Eisen-
bahnwagen vor.
Die Revision konnte nicht für begründet erachtet werden.
Die Annahme der Revision, die Ablenkung der Flugbahn und
die Wucht des Auffallens des Gegenstandes blieben sich gleich, wenn
er aus einem im Laufe befindlichen Eisenbahnzug oder aus einem
schnellfahrenden Wagen geworfen werde, ist unrichtig. Der aus dem
Wagen geworfene Körper besitzt zusammen mit dem Transportmittel
in der Fahrtrichtung eine gewisse Geschwindigkeit und hat nach dem
Gesetze der Trägheit das Bestreben, diese beizubehalten. Er steht
ferner unter dem Einfluffe der Schwerkraft und erhält durch diese
eine Beschleunigung senkrecht nach unten. Durch die Kraft des
Werfenden wird ihm endlich eine Geschwindigkeit in der Wurfrichtung
erteilt. Von geringerer Bedeutung erscheint bei einem mit Kraft ge-
worfenen Gegenstände von Gewicht die Luftströmung, bzw. der Wider-
stand der Luft.
Aus der Geschwindigkeit der Transportrichtung und der Ge-
schwindigkeit der Wurfrichtung ergibt sich nach dem Satze vom
Parallelogramme der Geschwindigkeiten eine Resultierende und aus
dieser und der Geschwindigkeit der Schwerkraft eine zweite Resul-
tierende, die die Richtung und die Geschwindigkeit des Körpers im

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