Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 50 (1906))

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Literatur.

näher zu führen, und ich zweifle nicht, man wird anerkennen, daß der
Verf. die Ziele, die er sich gesteckt, auch erreicht hat.
Der Inhalt seiner durch Klarheit der Gedankenentwickelung und
Gefälligkeit der Darstellung sich auszeichnenden Abhandlung kann hier
nur in den Hauptpunkten angedeutet werden.
Nach einer Einleitung, in der auf die allgemeine Bedeutung des
Kausalitätsproblems hingewiesen, die Natur des Kausalbegriffs und
seine Verwendung im Sprachgebrauch und im Gesetze besprochen, und
die Trennung der Kausal- und der Schuldfrage gefordert wird, behandelt
der erste Abschnitt den Kausalbegriff in der Erkenntnistheorie und in
der Naturwissenschaft; es wird gezeigt, daß diejenigen Unterscheidungen
zwischen Ursache und Bedingungen, zu denen man vom rein logischen
Standpunkt aus gelangt, für die Zwecke des Rechtes nicht brauchbar
sind. Der zweite Abschnitt („Der Kausalbegriff im Rechte") ist der grund-
legende. Seine Darlegungen sind zunächst, kurz zusammengefaßt, folgende:
Jede juristische Kausalitätstheorie hat auszugehen von der conditio
sine qua non, d. h. soll eine von vielen Bedingungen als „Ursache"
eines bestimmten Erfolges ausgezeichnet werden, so muß sie zunächst
eine eonclitio sine qua non sein. Von einem seltenen Falle (vgl. 45
bis 47 der Abh.) abgesehen, ist eonckitio sine qua non einmal jeder
Umstand, der nicht weggedacht werden kann, ohne daß der dann vor-
handene Zustand überhaupt nicht mehr in die vom gesetzlichen Tat-
bestands geforderte Erfolgskategorie fällt, und sodann derjenige Um-
stand, welcher den konkreten Erfolg innerhalb jener Erfolgskategorie für die
juristische Würdigung erheblich verändert. Eine Unterlassung als ein
„nichts" kann nicht für etwas kausal sein; die Rechtsordnung kann aber
jemanden straf- und zivilrechtlich verantwortlich machen, weil er das
Eintreten eines durch andere kausale Faktoren bedingten Ereignisses nicht
verhindert hat, obschon es in seiner Macht stand. Hier ist deshalb zu
fragen, ob der rechtlich erhebliche Erfolg nicht eingetreten wäre, wenn
an stelle der Untätigkeit eines Menschen ein Handeln gewisser Art ge-
dacht wird, ob also mit dem Hinzudenken einer Handlung gewisser
Art der rechtlich verpönte Erfolg nicht eingetreten wäre. — Mit der
Feststellung des Bedingungscharakters eines Umstandes begnügt sich die
Theorie der eonckitio sine qua non; nach ihr hat, wer immer eine
Bedingung der bezeichneten Art gesetzt hat, den Erfolg im Rechtssinne
verursacht. Diese Theorie erfüllt auch den Zweck, zu gerechten Ent-
scheidungen zu führen, — von einer Ausnahme abgesehen — in allen
den Fällen vollkommen, wo vom Gesetz außer der Verursachung des
Erfolges zur Verantwortlichkeit noch Verschuldung hinsichtlich des
herbeigeführten Erfolges in seinem ganzen Umfange gefordert wird.
Sowohl für das Straf- wie für das Zivilrecht schränkt der Ver-
schuldungsbegriff die Verantwortlichkeit für den im Sinne der Theorie
der eonckitio sine qua non verursachten Erfolg in den Fällen nicht
immer genügend ein, in denen der rechtlich erhebliche Erfolg absicht-
lich (nicht nur vorsätzlich) herbeigeführt ist (die erwähnte eine Aus-
nahme). Vor allem aber bedarf der Kausalbegriff der Theorie der

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