Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 45 = H. 89/90 (1835))

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Ferner, baß es jedem Eigenthümer freisteht, gegen
eine Grenzmauer ein Gebäude aufzurichten, arg. Art. 667.
und so den gesetzlichen zour« in der Grenzmauer deS
Nachbaren das Licht zu Nehmen.
Stellt man hiernach die Schlußfolge enger, so er-
giebt fich, daß der oocl«, sowie er in dem Begriff von
zoors und vues das Oeffnungmachrn und Lichtschöpfen
unterschieden, den gesetzlichen jours das Lichtrecht entzo-
gen hat. Da aber, wie sich weiterhin ergeben wird, das
Gesetzbuch Fenster für Anstalten erkannt hat, welche eine
Servitut anzeigen: so bedurfte es hier äußerer, offenkun-
diger Zeichen, daß nur die vom Gesetze als im Eigenthu-
me liegende Gebrauchsbefugniß und keine Servitut vor-
liege. Diese Zeichen hat das Gesetzbuch in der Vergit-
terung und in der Uneröffenbarkeit gefunden. 3our« im
Sinne des Gesetzes bleiben also Fenster in obigek Mo-
dification.
2. Fenster, die mehr als Lichtöffnungen sind, solche,
aus denen man sehen kann, vues, darf man erst in
gewisser Entfernung von der Grenze machen. DaS
Gesetz distinguirt dabei zwei Arten vue«, solche, wel-
che in eine dem fremden Grundstücke grade gegen-
überstehende, und solche, welche in eine seitwärts ge-
legene Mauer angebracht werben. Für jenen Fall
verlangt das Gesetz eine Entfernung von sechs Fuß
von der äußersten Mauerflache bis zur Grenze, in
diesem reicht ihm ein Zwischenraum von zwei Fuß
hin. Art. 678—680.
In diesen beiden Bestimmungen (sub 1. u. 2.) ist,
so wurde schon angedeutet, nur eine Begrenzung der Ei-
genthumsbefugnisse enthalten, und nichts Dienstbarliches.
Das Gesetz geht von dem natürlichen Gesichtspunkte aus
(4. 1 ). Und wenn es jours, wie die Art. 676. 677.
gestatten, ohne die Baufreiheit des Nachbarn im Minde-
sten zu kränken, erlaubt anzulegen, belastet es weder
diesen Nachbar mit einer Servitut34), noch beschränkt
es im Mindesten den Eigenthümer der Fenster, so daß

34) Dgl. die Anmerkung 15.

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