Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 27 = H. 53/54 (1826))

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ne solche Schuld contrahkrt haben, so entstehet in einem
solchen Falle ganz besonders eine Collision der Rechte,
man weiß nicht, ob nicht das Geschäft als eine Inter,
cession zu behandeln, und geschiehet auch dieses nicht, so
wäre doch die Frau nur als Mitcontrahentin zu belan-
gen, der Mann aber auch ex in rem versione. Der-
gleichen Darlehne zwecken also in allen Fallen be-
sten, Falls in utilitatem mariti qua talis flb, unt) es
ist mithin hier ganz vorzüglich die Zuziehung eines beson-
bern Geschlechts-Curatoris für die Ehefrau nvthig. Ihm
liegtob, die Lage der Sache, die causa debendi, den Zweck
des Darlehns zu prüfen, und der Ehefrau von allem
Beitritt abzurathen, wenn das Darlehn blos zu einem
die Spekulation des Mannes allein betreffenden Ge-
schäft, oder auch zur Bestreitung ehelicher Bedürfnisse
gesucht wird, indem er sie über ihre diesfälligen Rechte
und die Pflichten des Ehemannes belehrt. Wenn man
auch der Meinung Carpzovs P.II. Const.15, def. 14.
daß Schuld, uud Darlehns- Verschreibungen der Frau-
enspersonen auch ohne Zuziehung eines Curatoris ver-
bindlich seyen, beitreten wollte; so kann dies doch gewiß
dann nicht geschehen, wenn sie nicht für sich allein, son-
dem als Ehefrauen, mir ihren Männern, Geld ausge-
nommen haben. Selbst Carpzov setzt in der oben alle-
. girten diesfälligen Stelle — wo er bey einer solchen ge-
meinschaftlichen Schuld die Ehefrau pro rata sua für
verbunden achtet, (P. II. Const. 16. def. 4;) die Zu-
ziehung ihres Curatoris bey dem Geschäfte voraus. —
In dem der gegenwärtigen Klage zum Grunde liegenden
Instrumente wurde der Zweck des Darlehns in höchst
allgemeinen Ausdrücken:
„zum Besten der Contrahenten sowohl, als zur
„Begründung des wahren Wohls ihrer dereinsti-
„gen Erbnehmer, um ihrer Verfassung diejenige
„Ordnung, Solidite und Dauer zu geben, welche
„für alle Feiten dem Glücke ihrer Familie from-
„men möge,"
angegeben. Ein besonderes Geschäft, wozu das Darlehn
verwandt werden sollte, eonstirt daraus nicht, z. B. der
Ankauf von Gütern für den maritum oder dessen Ge-

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