Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 27 = H. 53/54 (1826))

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gemeinen Landrechtö für die Preußi-
- schen Staaten — entworfen Von Christoph
Goßler, Geh. Justiz- und Kammergerichts-
räche. — Dritte Ausgabe, mit Rücksicht auf
die später ergangenen Gesetze durchgese-
hen, geändert und vermehrt durch Hein-
rich von Strumpfs, Justizrath beim Königs.
Stadtgericht in Berlin. Berlin und Stettin in
der Nicolaischcn Buchhandlung. 1826. 546 S. 8.

Referent getraut sich kein Urthei! darüber zu fäl-
len, wie es um einen Staat, dessen Einwohner aus lau-
ter Ulpianen und Papintanen bestehen, sich verhalten und
ob ein solcher Juristen,Staat Mangel oder Ueberfluß
an Processen Haben würde; dagegen ist er aber über-
zeugt, daß es für einen Staat nicht sonderlich wün-
schenswerth sein würde, wenn seine Unterthanen sämmt-
lich Halbjucisten waren. Die Prozesse würden in ei-
nem solchen Staate sich eben so vermehren, wie Krank-
heiten in einem Lande, dessen Einwohner halbe Aerzte
sind. So schädlich die populäre Pathologie, die popu-^
läre Semiotik und muteris meäics ist, eben so nach-
theilig dürfte daher auch die populäre Jurisprudenz
sein. Letztere ist früher auch im Preußischen Staate in
der Mode gewesen, aber längst aus derselben gekom-
men. Das vorliegende Werk des verstorbenen Gehei-
men Justizrakhö Goßler ist bekanntlich in jener Zeit
und vielleicht durch dieselbe angeregt, es ist aber auch
eben so bekannt, daß dasselbe durch den Geist, den
Scharfblick und die seltenen Kenntnisse des Verfassers
über die populäre Jurisprudenz sich so erhob, daß es
eigentlich eine Darstellung des Geistes deS Allgemeinen
Landrechts und eine Metaphysik' des letzter« genannt
werden muß. Es gehört unstreitig zu den gediegensten
allgemeinen Werken über das Gesetzbuch, und hak die-
sen Rang um so mehr behauptet, als der Verfasser zu
denjenigen Geschäftsmanncrn gehörte, welche an dieser

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