Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 27 = H. 53/54 (1826))

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Urtheile bei den ehrlichen Gewerbeleuten bestellen, wel-
che ihre-kostbare Zeit und die noch kostbarere wahre
Gerechtigkeit in den Assisen verderben. Dann werden
wir wahrscheinlich auch in andern Ländern nichts an,
stößiges darin finden, daß mit der Justiz und! ihren,
wenn gleich schuldigen, doch bedauernswürdigen Opfern,
ein öffentliches Schauspiel getrieben wird, daß Frauen-
zimmer mit dem Strick, und Stickbeutel Kriminal-
Verhören und Verurtheilungen beiwohnen, und daß die
Gerichtssäle mit Kaffeehäusern, Restaurationen, Schau-
spiel, und andern Hausern, nach Ordnung der verschie-
denen Tageszeiten abwechselnd, Müssiggangern Aufent,
halt und Zeitvertreib gewähren, und daß ihnen in den
ersteru oft praktisch Anleitung gegeben wird, das Geld
zu erwerben, dessen sie für letztre bedürfen. Die Ansicht,
daß die Aufsicht auf die Rechtspflege durch das Volk
(id est diejenigen, die grade zufällig zu der Feit am
Orte der öffentlichen Sitzung sich aufhalten, und nichts
besseres zu thun haben, als Verhandlungen beizuwoh,
neu, zu deren Beurtheilung ihnen Akten und Rechts-
kenntnisse fehlen, und die also nichts weniger, als das
Volk sind) weit gründlicher und besser, als durch die
Regierung geführt werden könne, ist solchen Zeiten
vollkommen angemessen, indem nicht abzusehcn ist, wa-
rum, wenn Gewerbtreibende und andere rechtsunwissende
x Personen auf Richterstühlen sitzen, das Justiz-Ministe-
rium nicht von jenen Personen ausgeübt werden könne.
Subjective Ansichten werden sie doch auch wohl haben,
und mehr soll es ja zur Rechtsvcrwaltung nicht bedür-
fen; ob sie gegründet oder falsch sind, darauf kommt
es, wie wir erfahren, bei einer acht - volköthümlichen
Rechtspflege ja gar nicht an. Referent ist indessen sehr
entfernt, irgend jemand in seiner Meinung über diesen
Gegenstand zu stören, und noch entfernter, die seinige
"jemanden aufzudringen, ec laßt vielmehr erga reci-
procum jedem seine eigene Ansichten von de» Forde-
rungen an die Gesetzgebung und Rechtspflege, und ent,
hält sich daher auch gern jeder Aeußerung über die des
* Verfassers von der jetzigen Gesetzgebung in den Rhein-
Provinzen. Dagegen ist aber der Herr von F. in dem

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