Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

Das Ueberhangs- und Ueberfallsrecht. 7Z
die Macht des Eigenthümers nur auf solche Sachen sich erstreckt,
woraus ein anderes fremdes Recht nicht ruht. Ueberhang und
Ueberfall stehen ja aber schon im Eigenthum des Baumherrn, d. h.
desjenigen, welcher die Wurzeln hat. Freilich leugnet Hillebrand,
daß das Eigenthum des Baumes aus dem der Wurzeln entspringe;
aber mit Unrecht, wie sich schon aus dem obengedachten jütischen
Gesetz") und Sachsensp. II 52 ergiebt und auch sonst nicht be-
stritten wird.")
Eine weitere Gruppe von Schriftstellern"), unter welchen be-
sonders Gau pp") hcrvorragt, leitete das Ueberhangs- und Ueber-
fallsrecht aus der Heiligkeit der Were bei den Germanen ab. Gegen
diesen polemisirte Grimm") wiederum, indem er hervorhebt, daß
wohl ein gewaltsames, nicht aber ein friedliches Betreten des nach-
barlichen Hofes geahndet worden sei. Ueberhaupt legt der zuletzt
genannte Schriftsteller dem Walten des Zufalls in unserem Gebiete
eine große Bedeutung bei.
Erwägt man nun, daß ein häufiges Betreten des nachbarlichen
Bodens allerdings Anlaß zu Streitigkeiten geben konnte"), diesen
zu vermeiden aber schon die Tendenz der älteren germanischen Ge-
setze war"), so erkennt man denselben Zweck auch in den älteren
Bestimmungen über unser Institut, indem sie den von der Natur
geschaffenen Zustand anerkennen. Daraus müßte aber mit Nothwen-
digkeit folgen — wie dies auch die Bilderhandschriften des Sachsen-
spiegels bestätigen — daß hinsichtlich des Ueberhanges für den be-
lästigten Nachbar nur ein Recht der Selbsthülse bestehen konnte; denn
bei einer Pflicht des Baumeigenthümers zum Abhauen hätte dieser
dennoch des Nachbars Grund betreten event. verletzen müssen. Diesen
Grundsatz sanktioniren auch die oben unter Gruppe 4 genannten
Rechte, wobei sie gleichzeitig dieses Selbsthülssrecht aus ein billiges

") S. 70. ^
**) Runde Pr.R. § 286. Haubbld 1. c. p. 578 Note e. Beläge auch bei
Gruchot, Beiträge VII S. 119.
") Heidelb. Jahrb. 1823 p. 104 ff. Mittermaier D.Pr.R. p. 405.
46) Gaupp, Tüb. fett. Ztschr. III p. 254 ff. IV p. 496 ff.
45) Tüb. feit. Ztschr. IV p. 173 ff. bes. p. 175.
48) Gaupp a. a. O. IV 496 ff.
40) Wilda Ztschr. f. deutsch. R. I p. 220 vgl. Walter. R.G. 8 57 Notes—11
tttit Belägen aus den leges barbarorum.

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