Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

926

Literatur.

als das gewöhnliche Mittel zur Auseinandersetzung mit den Mit-
eigenthümern.
Der Verfasser bemüht sich, zu zeigen, daß bei dieser begrifflichen
Auffassung eine Reihe von Erscheinungen, die man bisher als anomal
angesehen, ihre einfache, normale Erklärung fänden. So erweise sich die
nach den bisherigen Theorien unerklärliche Befugniß des Pfandschuldners,
das zum Verkaufe gestellte Pfand selbst zu erstehen, als ganz selbstverständ-
lich; denn der Pfandschuldner erwerbe eben nur die Antheile der übrigen
Miteigenthümer.
Befriedige ferner der Eigenthümer einen Hypothekengläubiger, so falle
damit die Suspensivbedingung, unter welcher er demselben eine Eigen-
thumsquote verkauft habe, aus, und er gewinne also an dieser Quote
wieder unbedingtes Eigenthum, über welches er von Neuem verfügen
könne. Aus diese Weise finde das Problem der Eigenthümerhypothek
seine Lösung.
Wir sehen in den Ausführungen des Verfassers ein nicht uninteressantes
Spiel mit juristischen Begriffen und Gedanken und in dem npu8en1um
eine Einladung an die Leser, mit zu spielen. Das hätten wir mit viel
größerem Vergnügen gethan, wenn der Verfasser den Krieg gegen die
bisherigen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Pfandrechtsgebiete nicht
in einer die Lust am Spiele beeinträchtigenden Weise führte. Zu den
dem Kriegsrechte nicht entsprechenden Waffen, die er dabei braucht, zählen
wir z. B. die an die Kritik der landrechtlichen Definition vom Pfand-
rechte geknüpften Sätze:
„Nicht ohne Argwohn wird man sich zu den übrigen neueren und
ganz eigenartigen Leistungen auf dem Gebiete pfandrechtlicher Begriffs-
bestimmungen wenden. Wie wenig kann man von dem Neuen er-
warten, wenn es das Alte zu verdrängen nicht im Stande war!"—
Nicht minder rechnen wir dazu, wenn der Verfasser von der Büchel'schen
Theorie von der Realobligation sagt:
„sie beruhe auf dem Hirngespinst der schaffenden Kraft juristischer
Fiktionen,"
von einer anderen Theorie:
„sie sei geeignet für die ersten Stufen eines babylonischen Thurmes,"
von einer dritten,
„sie sei die naiveste, schließe eine widersinnige Behauptung in sich
und enthalte eine schätzenswerthe Resignation,"
oder, wenn Seite 32 gesagt wird:
„Mit Uebergehung einiger verwandten und einiger ungeheuerlichen
Theorien ist die wahre Sachlage folgende:"
Im Uebrigen glauben wir nicht, daß es dem Verfasser gelingen wird,
die Jurisprudenz davon zu überzeugen, daß sie bisher auf Irrwegen
gewandelt sei, und daß die Wahrheit auf dem von ihm eingeschlagenen
Wege liege. Seine Theorie will das Wesen nicht bloß der Grundschuld,
sondern jedes Pfandrechts klar legen. Aber sie führt unseres Erachtens
zu einer völligen Verleugnung des akzessorischen Pfandrechts; auch

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer