Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

zu den Besitztheorien von Rands und Jhering.

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haben würde, ihm die condictio indebiti gegen den Eigentümer
abgesprochen wird, so ist schwer einzusehen, wie er sie wegen des
Grund und Bodens gegen den Eigenthümer haben sollte, da er ja
an sich gar kein Recht auf den Grund und Boden hat.
Die 1. 31 § 1 depos. vel contra 16. 3 widerlegt ferner die An-
sicht von Bruns fast direkt:
recte dicetur, non contrahi depositum, quia non est ex fide
bona, rem suam dominum praedoni restituere compelli,
ja die actio quod metus causa ist gegen den Forderungsberechtigten
ausgeschlossen, 1. 12 § 2 1). 4. 2:
Julianus ait, eum, qui vim adhibuit debitori suo, ut ei sol-
veret, hoc Edicto non teneri propter naturam metus causa
actionis, quae damnum exigit.
Die s. g. Besitzkondiktionen sind daher keine Klagen vorläufigen,
sondern definitiven Rechts, mögen sie auf einem Kontrakte oder
kontraktsähnlichen Verhältniß, auf einem Delikt oder Quasi-Delikt
beruhen, sie schließen, wie dies bei jeder Obligation der Fall ist,
nur den Einwand aus, daß ein Dritter berechtigt sei.
Am entschiedendsten hat sich aber für die maßlose Ausdehnung
der Besitzklagen ZHering ausgesprochen. Er erblickt in der Ent-
wicklung, welche sich in den wenigen selbstständigen werthvollen
Leistungen der späteren Kaiserzeit vollzieht, den Uebergang von der
auf die bloße vis beschränkten Form des Unrechts zu dem Gedanken
des Unrechts schlechthin, der „quaecunque injusta causa amis-
sionis“, wie es bei der actio spolii hieß, S. 126, die Befreiung der
Besitzidee von einem inneren Widerspruche, S. 128, in der Ent-
bindung des rekuperatorischen Besitzschutzes von der Voraussetzung
der vis nur einen durch die Interessen des praktischen Lebens und
die Idee des Besitzschutzes gerechtfertigten werthvollen Fortschritt,
die Erlösung von der Willkür und gleichsam einer fixen Idee des
römischen Rechts und der sich auf dasselbe stützenden Theorie.
S. 135.
Wir meinen jedoch, daß Zhering sowohl dem römischen Rechte
wie Savigny gerechter geworden wäre, wenn er selbst erst festgestellt
hätte, was er unter einer Besitzklage versteht, wenn nicht auch bei
ihm wie im Mittelalter und selbst bei Savigny der Begriff der
Besitzklage stets nach Bedürfniß umschlüge. Wir bestreiten auch
ihm, daß die Rückforderungsklage des vorläufigen Rechts in der
Beiträge, XXI. (III. F. I.) Jahrg. 5. 6 Heft. 49

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