Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

zu den Besitztheorien von Rand« und Zhering. 751
die 1. I I 0. und6 vi enthält kein Rechtsmittel vorläufigen Rechts.
Iustinian sagt mit voller Bestimmtheit:
ornnes aut6m scire debent, quod suum non est, hoc ad alios
modis omnibus pertinere.
Der Eigenthümer, der die vacua possessio eines Abwesenden okkupirt,
wird also nicht zur vorläufigen Herausgabe verurtheilt, es wäre ja
auch ganz wunderbar, wenn nicht einmal der Berechtigte in den
leer stehenden Besitz eintreten könnte, wenn man ihn überhaupt und
selbst dann, wenn er ein Immissionsdekret von Kaiser und Richter
erhalten hat, als praedo nach der 1. 11 cit. behandeln wollte.
Randa S. 149,28) Bruns S. 146, IHering S. 102 sind
dahin einverstanden, daß eine Besitzstörung und Entsetzung ohne
Zweifel auch dann vorliege und durch possessorische Rechtsmittel
wieder unschädlich gemacht werden könne, wenn der Störende im
guten Glauben gehandelt hat. Der Begriff der Heimlichkeit soll
objektiv zu nehmen sein als das objektive Geheimsein (Bruns S. 136)?°)
Diese Auffassung ist in Beziehung auf das vorläufige Rückforderungs-
recht auf das entschiedendste zurückzuweisen. Die Römer definiren
den Begriff des ciam als die subjektive Verheimlichung:
qui futuram controversiam metuens, ignorante eo, quem me-
tuit, furtive in possessionem ingreditur, 1. 6 pr. de poss.; qui
celandi animo habet eum, quem prohibiturum se intellexerit,
1. 3 § 8 quod vi aut clam, 1. 73 § 3 de ß. J. A.
Der gute Glaube schließt die heimliche Okkupation aus:
nec quemquam clam possidere incipere, qui aliqua ratione
bonae fidei possessionem nanciscitur.30)
Nur die subjektiv heimliche Okkupation vermag sich bei erfolglern
Protest in eine gewaltsame zu verwandeln, sonst haftet selbst der
subjektiv heimliche Okkupant der Rückforderungsklage des vor-
läufigen Rechts nicht; es scheint daher unmöglich, daß jeder Besitzer
im guten Glauben dem vorläufigen Rückforderungsrechte unter-

28) conf. auch Randa S. 192 Note 16.
2#) S. 72 spricht Bruns von dem objektiven Störungsprinzipe des gemeinen
Rechts.
Allerdings ist es überhaupt verboten, die im fremden Besitze befindliche
eigene Sache zu okkupiren, und allein damit kann sich der Okkupant nicht ent»
schuldigen, daß er seine eigene Sache okkupirt habe, § 1. J. de vi bonorum
rapt. 4. 2.

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