Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

zu den Besitztheorien von Rand« und Jhering. 713
A. Das Recht durch Eigenmacht gegen die Eigenmacht zu behalte«.
Der Besitz ist zunächst das Recht, gegm die Eigenmacht durch
Eigenmacht zu behalten. Mag auch der Besitzer durch die Ein-
wirkung auf die Sache in Folge seines etwaigen schlechten Glaubens
sich selbst verantwortlich machen, dennoch leistet er mit Recht sogar
dem definitiv Berechtigten Widerstand, wenn er dijizirt oder im
Gebrauche der Sache verhindert, oder wenn gegen seinen Willen
auf dieselbe eingewirkt oder sie benutzt werden soll. Bei der Be-
hauptung des Besitzes ist es erlaubt, Gewalt zu gebrauchen. 1. 5
tz 10 äo 0. N. N.:
Meminisse autem oportebit, quoties quis in nostro aedificare,
vel in nostrum immittere, vel projicere vult, melius esse, eum
per Praetorem, vel per manum, id est lapilli ictum prohibere,
quam operis novi nuntiatione.
1. 6 § 1 si servitus vindic. 7. 6:
Idem et si lapilli ictu impedierit.
Die zitirten Stellen behandeln die eigenmächtige Aufrechterhaltung
des Besitzes und diejenige, welche sich durch Vermittlung des Prätors
vollzieht, auf einer Linie; nach der modernen Auffaffung der
herrschenden Theorie soll es aber nicht einmal als eine Folge des
Besitzes aufzustellen sein, daß der Besitzer mit Gewalt seinen Besitz
vertheidigen darf. Savigny wie Randa meinen, daß dieses an-
gebliche Recht des Besitzers kein civilrechtlicher Schutz desselben sei.3 4)
Jedoch gerade der Besitz ist das Recht unmittelbarer Herrschaft
über die Sache, in positiver und negativer Beziehung, die Haupt-
aufgabe der Besitztheorie ist es, festzustellen, wie weit wir eigmmächtig
auf die Sache einzuwirken vermögen, wie weit dies nur zulässig ist
nach erfolgter oder durch den Richter ergänzter Willenserklärung

3) Dies Recht wird übrigens auch von Savigny anerkannt:
„Der Besitzer hat das Recht von jedem zu fordern, daß er überhaupt keine
Gewalt gegen ihn brauche."
0 Savigny S. 37. — Randa S. 77. L)er letztere spricht von dem Rechte
des Besitzers, wenn richterliche Hülfe zu spät käme, Gewalt mit Gewalt
abzuwehren. Darin läßt sich keine Verbesserung der im Texte gegebenen
Savigny'schen Formulirung erblicken, da die gewaltsame Abwehr de- Eingriffs
in die Besitzsphäre erlaubt ist, mag richterliche Hilfe zu erlangen sein oder nicht.
Vielleicht beruht die abweichende Formulirung auf der Faffung der östreichifchm
Gesetzbücher.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer