Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

14.2. Kritische Bemerkungen zu den Besitztheorien von Randa und Jhering in ihrem Verhältniß und Gegensatz zum Pandektenrecht : (Fortsetzung von Nr. 16)

712

Kritische Bemerkungen

22.
Kritische Bemerkungen zu den Gesitztheorien von Runda
und IHering in ihrem Verhältnis und Gegensatz zum
Pandektenrecht.
(Fortsetzung)
Von dem Herrn Kreisrichter Kindel in Osterwieck.

Inhalt und Schuh des Besitzes und der possessorischen Rechte.
§ 6. Inhalt des Besitzrechtes.
Savigny und seine Nachfolger kennen einen Inhalt des Be-
sitzes nicht, sie sprechen von rechtlichen Folgen und vom Schutze
desselben, trotzdem sich schwer enträthseln läßt, weshalb der römische
Prätor dieses rechtlich Indifferente, also dieses rechtliche Nichts
geschützt hat.')
IHering vindizirt dem Besitze zwar einen Inhalt, indem er
ihn eine Eigenthumsposition, ein Vorwerk des Eigenthums, die
Thatsächlichkeit desselben nennt, wir glauben aber schwerlich, daß
Jemand aus diesen Worten eine klare Vorstellung vom Inhalte des
Besitzrechtes wird entnehmen können. Die Eigenthumsposition, die
doch nicht das Eigenthum ist, das Vorwerk des Eigenthums, das
aber doch nicht zur Festung des Eigenthums gehört, die Thatsächlich-
keit des Rechts, die aber doch nicht mit dem Rechte zusammenfällt,
sind widersprechende Begriffe, sie decken den Inhalt des Besitzes
nicht auf, sondern verhüllen durch ein geistreiches Wort die sich
gegenseitig verschiebenden Vorstellungen, welche die mittelalterliche
Jurisprudenz sich vom Besitze gemacht hat.^)

') Die Behauptung Savigny's § 5 S. 43, daß der Besitz um deshalb Faktum
und Recht zugleich sei, weil rechtliche Folgen damit verbunden seien, ist von
seinen Nachfolgern fallen gelassen. Ein Faktum z. B. die Tradition wird auch
in der That deshalb noch nicht zum Rechte, weil mit ihr Rechtsfolgen ver-
knüpft sind.
2) S. 131 nennt Jhering den Besitz eine Schutzwehr des Eigenthümers gegen
Alle, welche unmittelbar in die Thatsächlichkeit seines Rechts eingreifen. Es ist
dies eine Schutzwehr des Eigenthümers, hinter der auch der Nichteigent hümer
stecken kann.

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