Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

26

Beiträge zu der Lehre

heit in Deutschland auf einem der wichtigsten Gebiete die Wege ge-
ebnet, — dies dadurch, daß die Auflassung die aus dem römischen
Rechte gewonnene, systematisch überaus wichtige und fruchtbare
Unterscheidung zwischen dem dinglichen und dem obligatorischen Ver-
trage zur Anerkennung bringt.
Jene drei Momente, welche oben bei der Tradition hervorgehoben
wurden, finden hier regelmäßig ihr Korrelat. Von dem Rechts-
geschäft wird unten besonders gehandelt werden. Der Uebergabe, als
körperlichem Akt, entspricht die Eintragung in dem öffentlichen Buche.
Und die Auslassung ist der Eigenthumsübertragungsvertrag. Der
für die Traditionstheorie erheblichen Streitfrage, ob die Willens-
einigung der Betheiligten über den Eigenthumsübergang in dem
obligatorischen Rechtsgeschäft oder in der Uebergabe zum Ausdruck
kommt, fehlt für eine analoge Ausdehnung auf die Auflassung die
thatsächliche Unterlage. Denn die Auflassung hebt sich ihrem Wesen
nach erkennbar ab sowohl von jenem Geschäft als auch von der
Eintragung. Sie bringt den Willen des Veräußerers und des Er-
werbers abstrakt, d. h. äußerlich vollkommen selbstständig, zur Er-
scheinung. Wir haben in ihr zwei sich einander gegenüberstehende,
aber in ihrem Ziele völlig konforme, ausdrückliche Parieierklärungen.
Die Schwierigkeit mithin, welcher die Konstruktion eines Eigenthums-
übertragungsvertrages bei der Tradition darin begegnet, daß diese
Erklärungen in den weitaus meisten Fällen erst durch Schluß-
folgerungen gewonnen werden müssen, fällt bei der Auflassung weg.
Für das mecklenburgische Recht ist die Vertragsnatur der
Auflassung dadurch möglichst klar gestellt, daß die bezüglichen Ge-
setze 3*) die Wirksamkeit der Auflassungserklärung des Veräußerers
von der Annahme derselben seitens des Erwerbers abhängig machen.
Das hamburgische Gesetzt) faßt allerdings die Konsense le-
diglich in deren Beziehung zu der Behörde aus; die Zuschreibungs-
bewilligung muß der Behörde ertheilt werden. Auf dem nämlichen
Standpunkt steht das preußische Gesetz über den Eigenthums-
erwerb §§ 1 und 2. Allein das Bedenken, welches hieraus ent-
nommen werden könnte, ist doch nur äußerlicher Natur. Indem
die Parteien die Eintragung des Erwerbers bewilligen, beziehungs-

3Y Siehe oben S. 15.
3B) Ebenda.

t

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer