Volltext: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

von der Auflassung des Eigenthums.

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1. Die Einen verlegen den Rechtsgrund, aus welchem die
Uebergabe die Kraft zur Uebertragung des Eigenthums schöpft, in
das auf die Veräußerung gerichtete Rechtsgeschäft, als dessen Erfül-
lung die Uebergabe sich darstellt29). Zn Anerkennung dieser Theorie
bestimmt das Preußische Allgemeine Landrecht I. 10 § 1: „Die
mittelbare Erwerbung des Eigenthums einer Sache erfordert, außer
dem dazu nöthigen Titel, auch die wirkliche Uebergabe derselben."
Auf dem nämlichen Standpunkt stehen für die Uebertragung des
Eigenthums an beweglichen Sachen das österreichische Gesetzbuch
§§ 425 ff., das privatrechtliche Gesetzbuch für den Kanton Zürich
§§ 646 u. 647 und der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches
für das Großherzogthum Hessen Abth. II. 3 Art. 53.
2. Andere finden die causa, traditionis in dem durch die Ueber-
gabe bethätigten Willen des Tradenten und des Empfängers der
Sache. Dieser Auffassung folgen neuere Kodifikationen für das
Recht der Mobilien; so das bürgerliche Gesetzbuch für das König-
reich Sachsen:
§ 253. Durch Uebergabe wird das Eigenthum einer beweglichen
Sache erworben, wenn der Besitz derselben in der Absicht, Eigen-
thum zu übertragen, übergeben wird.
§ 254. Die Eigenthumserwerbung durch Uebergabe setzt voraus,
daß ... . der Besitz in der Absicht, Eigenthum zu übertragen
und zu erlangen, übergeben und empfangen wird ....
Aehnlich der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches für das
Königreich Bayern Th. III. 3 Art. 93.
Für das gemeine Recht ist entscheidend die L. 36 D. 41 1:
Quum in corpus quidem, quod traditur, consentiamus, in causis
vero dissentiamus, non animadverto, cur inefficax sit traditio, veluti
si ego credam me ex testamento tibi obligatum esse, ut fundum
tradam, tu existimes ex stipulatu tibi eum deberi. Nam et si
pecuniam numeratam tibi tradam donandi gratia, tu eam quasi
creditam accipias, constat proprietatem ad te transire nec impedi-
mento esse, quod circa causam dandi atque accipiendi dissenseri-

29)'@o z. B. Förster, Theorie und Praxis des gemeinen preußischenPrivat«
rechts 8 178 Bd. 3 (3. Ausl.) S. 219 u. 220.

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