Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

zur Ergänzung von H.G.B Art. 209.» b. 365
lichen Punkten nicht zustimmen. Anschließend an meinen früheren
Aufsatz über den Rechtscharakter der Aktiengesellschaft*), werde ich ver-
suchen, meine Ansicht über die Entstehung der Aktiengesellschaft zu
rechtfertigen, und zugleich angeben, in welcher Weise die Artikel 209. a
und 209. b des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs zu ergänzen
sein dürften.
Renaud geht von folgender Grundanschauung aus.
Von dem Falle, wenn Mehrere sich zur Gründung einer Aktien-
gesellschaft unter Uebernahme des gesummten Aktienkapitals vereinigt
haben, sagt er:
Es sind in diesem Falle die Mitstifter durch ihre Uebereinkunft
nicht allein verpflichtet, mit gemeinsamen Mitteln auf die Ent-
stehung der Aktiengesellschaft hinzuwirken, sondern auch verbun-
den, deren Grundkapital, Zeder vermittelst gewisser Theilsum-
men, herzustellen. Da aber diese Verpflichtung nur zu Gun-
sten des projektirten Aktienvereins begründet ist, so
bedarf es der Lösung des Problems, wie aus einer zwischen
gegebenen Personen geschlossenen Uebereinkunft eine dritte Per-
son berechtigt werden kann und zwar eine solche, welche zur
Zeit des betreffenden Vertragsabschlusses noch eine persona in-
certa ist. S. 223.
Von dem anderen Falle, wenn ein einziger Projektant oder ein Konsor-
tium von Projektanten die Gründung einer Aktiengesellschaft in die
Hand genommen und das Stammkapital mittelst sukzessiver Aktien-
zeichnungen zusammengebracht werden soll, sagt er:
Ein solcher Vertrag (nämlich zwischen dem oder den Projek-
tanten und den Zeichnern über eine an den Aktienverein zu ef-
fektuirende Leistung) ist zwar nach gemeinem Rechte regelmäßig
ungültig; allein, wie schon das römische Recht ausnahmsweise
einzelne Fälle anerkennt, in welchem der Dritte ein Klagerecht
aus einem Vertrage erwirbt, der Handelnde dagegen nicht, wie
insbesondere aus einer vom Erblasser dem künftigen Erben sti-
pulirten Leistung der Erbe ein Klagerecht erhält, so erscheint
hier die Zahl dieser Ausnahmen noch durch das moderne Recht
vermehrt, da es außer Zweifel steht, daß der Zeichner durch
den mit dem Projektanten mittelst der Aktienzeichnung abge-

*) Seite 149 ff. dieses Bandes

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