Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

von der Auflassung des Eigenthums.

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Rechtsüberzeugung weniger tief gelegen haben, die Auflassung viel-
mehr hauptsächlich um deswillen gefordert sein, weil die Oeffentlich-
keit der Veräußerung den sichersten Schutz gegen Betrügereien und
künftige Streitigkeiten gewährte^). Zweifellos ist, daß im späteren
Mittelalter, als die Eintragung mit der Auflaffung verbunden
wurde, das Rechtsinstitut wesentlich von dem Streben nach Sicher-
heit der Privatrechte getragen worden ist.
Aber weder aus diesen noch aus jenen Erwägungen läßt sich ein
Motiv für die Offenlegung des vor der Auflassung geschlossenen
Veräußerungsvertrages entnehmen. Der natürlichen Anschauung am
entsprechendsten ist es ohnehin, den Betheiligten selbst die Ordnung
ihrer obligatorischen Beziehungen zu überlassen. Es darf daher an-
genommen werden, daß es in der Regel genügt haben wird, wenn
der Veräußerer unter den üblichen Feierlichkeiten erklärte, daß er
das Grundstück dem Erwerber auflasse, und der letztere sein Einver-
ständniß hiermit bekundete.
An manchen Orten war es freilich hergebracht, in der Auflas-
sungserklärung auch des vor derselben errichteten Vertrages Erwäh-
nung zu thun'b). Allein daraus folgt noch nicht, daß dieser Ver-
trag die Auflassung in ihrem rechtlichen Bestände beeinflußt habe.
Viel näher liegt die Annahme, daß man das obligatorische Grund-
geschäft nur zu dem Ende hervorgehoben hat, um die Auflassung
zu motiviren, vielleicht auch, um den Beweis jenes Geschäftes als
der Ursache der Auflassung zu sichern. Erst nach dem Eindringen
des römischen Rechts wurde es allgemeiner üblich, die euusao cog-
nitio der Behörde auch aus die obligatorischen Beziehungen des Ver-
äußerers zu dem Erwerber zu erstrecken. Allein damit war der Aus-
lassung der Boden entzogen, und wenn gleichwohl noch von einer
Auflaffung des Eigenthums gesprochen wurde, so war es gewiß nicht
mehr das alte Rechtsinstitut, welches man durch diesen Ausdruck be-
zeichnete.
Die Auflassung war ihrem Wesen nach unabhängig von dem
Rechtsgeschäft, welches vor ihrer Vollziehung von den Betheiligten
geschlossen zn werden pflegte. Sie war selbst die Veräußerung des

12) Behrend a. a. O. S. 697 Note 7.
13) Für das Lüneburger Stadtrecht bezeugt dies Leonhardt, zur Lehre
von den Rechtsverhältnissen am Grundeigenthum (1843) S. 48.

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