Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 63 = H. 125/126 (1844))

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Zn Rücksicht der freiwilligen Veräußerungen der Lehne
ist cs unbestritten, daß den Agnaten bas Recht zustand,
eine ohne ihren Konsens vorgcnomniene Veräußerung die-
ser Art zu revoziren.
Was dagegen die Descendenten anbctrifft, so existirt
kein Gesetz, durch welches ihre Zuziehung bei Verschuldun-
gen oder Veräußerungen angeordnet wäre. Zn den zahl-
reichen Edikten gegen die Veräußerung der Lehne ohne
Konsens des Lehnsherrn aus dem 16. Jahrhunderte, z. B.
dem Edikte de dato Mittwochs nach conv. Pauli 1569,
Mittwochs nach Prinit. 1573, Mittwochs nach Laurentii
1591
Mylius Th. ir. Abth. 5. p. 3, 14. und 18.
ist nur von Veräußerungen die Rede, welche mit Konsens
der Agnaten geschehen sind; der Descendenten wird nie
erwähnt. Nach dem allegirteu Landtags-Abschiede von».
16. Juli 1653 tz. 72. sollen bei einer nothwendigcn Ver-
äußerung nur die Agnaten, nicht aber die Dcscendeirten,
ad emendum vel consentiendum citirt werden. Es
läßt sich hieraus mit Recht der Schluß ziehen, daß die
Rechte der Agnaten und Descendenten wesentlich von ein-
ander abweichen, und daß es eines Konsenses der Letzteren
zur Veräußerung der Lehne nicht bedurfte. Hiermit stim« >
men auch die Lehrer des märkischen ProvinzialrechtS über-
ein, welche zur Gültigkeit der Veräußerung eines LehnS
nur. den Konsens des Lehnsherrn und der Agnaten erfor-
dern, ohne der Descendenten zu gedenken.
Müller resol. 66
Scheplitz I.ib. I. P. IV. Tit. 8. §. 1. und 2.
Lib. II. Tit. 69.
Die Gegner dieser Ansicht bemühen sich besonders auszu-
führen, daß den Descendenten nach märkischem Rechte, so
wie den Agnaten, ein eigenes Recht am Lehn zustehe; wir
halten zwar diesen Rechtssatz in Beziehung ans die gegen-
wärtige Streitfrage nicht für entscheidend, müssen uns aber
doch auf eine Prüfung der deshalb eingeführtcn Gründe
einlassen, welche hauptsächlich darin gesetzt werden,
1) daß schon nach den ältesten Lchnbriefen aus deni 14.
und 15. Zahrhundert die Lehne in der Regel dem
Erwerber und seinen Erben, oder seinen rechteil mann-

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