Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 63 = H. 125/126 (1844))

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2.
Die Einholung des väterlichen Konsenses bei Hei-
rathen großjähriger oder emanzipirter Kin-
der betreffend.
(A. L. N. Thl. II. Tit. 1. §§. 46. 58. 68. 997. 998.)

Bei Gelegenheit eines Spezialfalles ist die Frage zur
nähern Erörterung gekommen, welche Bedeutung bei groß-
jährigen oder emanzipirten Kindern die Nachsuchung des
väterlichen Konsenses zur Eingehung einer Ehe haben,
wenn rin solches Kind den Konsens nicht nachsuchen zu wol-
len, oder nicht erhalten zu können erklärt.
Das Königl. Staatsministerium hat sich in der hier-
über stattgehabten Berathung zu folgender Ansicht ver-
einiget.
Der §. 46. Tit. 1. Thl. II. des Allg. Landrechts
verordnet: '
„Auch olche Kinder, die schon verheirathet gewesen,
imgleichen Söhne, die der väterlichen Gewalt entlas-
sen, und Töchter, die über 25 Zahre (soll heißen
24 Zahre) alt sind, müssen die väterliche Einwilligung
nachsuchen."
Dem Vater ist, nach Vorschrift des §. 58. a. a. O.
und vermöge der in diesem Paragraph enthaltenen Be-
zugnahme auf den §. 45. und flg., in dem oben erwähn-
ten Falle aus erheblichen Gründen ein Widerspruch gegen
die Eingehung der Ehe gestattet, und es ist nach §. 68.
daselbst gegen diesen Widerspruch nur der Rechtsweg zu-
lässig.
Wenn nun ferner in den §§. 997. und 998. a. a. O.
verordnet ist, daß eine ohne väterlichen Konsens eingegan-
gene Ehe eines großjährigen, resp. emanzipirten Kindes
nicht ungültig sein soll, sondern dem Vater nur die Straf-
enterbung auf den halben Pflichttheil Vorbehalten bleibt,
so folgt daraus zwar, daß der Mangel des väterlichen
Konsenses kein trennendes Ehehinderniß (impedimentum
dirimens) ist, es bleibt aber seine, aus den erst ange-
führten Stellen hervorgehende Wirkung als ein aufschie-

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