Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 19 = H. 37/38 (1822))

. Allerdings kst eine, von dev gesetzgebenden Behörde
erlassene, Constitution, wodurch alle streitigen, Zweifel,
haften und dunklen, Rechts,Fragen eine klare Bestim-
mung erhalten, wünschenswertherj: - allein, so lange sel-
bige »och nicht existiret, ist eine solche kritische Prüfung
immer nicht überflüssig, und sollte selbige auch nur dazu
dienen, die zukünftigen Gesetzgeber auf einige fremde
Ansichten aufmerksam zu machen. Selbst im Fall einer
Modifikation der Lehne, und einer damit verbundenen
Abfindung der agnatischen Zustandnisse, bleibt es mir
eine interessante Frage- wie weit erstrecken sich selbige;
und in wie ferne sind die behaupteten in den Gesetzen
gegründet oder nicht? Mit so vieler anscheinender Um-
sicht und Rechts-Kunde auch das in der Mitte des vo-
rigen Jahrhunderts von den Vor-Pommerschen Land,
standen entworfene Projekt einer neuen Lehns-Constitu-
tion für Bor, Pommern abgefaßt sein mag, so kann selbst'
letzterer eine solche nähere Prüfung nicht schaden, denn
es" sind in selbiger offenbar mehrere Grundsätze.aufge-
stellt worden, welche ganz und gar dem Geist, und der
ursprünglichen Beschaffenheit der Vor-Pommerschen
Lelms-Verfassung, ja selbst der ausdrücklichen Sanktion
derselben, widersprechen, und auf das ursprüngliche
Recht wiederum zurückgeführt werden müssen. Derselbe
Vorwurf trist größtenteils auch die Anmerkungen der
damaligen König!. Regierung, womit sie den gedach-
ten Entwurf begleitet hat. Wie diese Lehns- Constitu-
tion, vor ohngefahr 70 Jahren, entworfen wurde, da
war der Feudal und Adels-Geist *) annoch vorherr-
schend; es war - als» sehr natürlich, daß da, wo die
Lehns-Verhältnisse nur cinigermassen dunkel und unbe-
stimmt waren, selbst die rechtlichsten Männer solche:
Grundsätze favorisirten, durch deren Anwendung die
Lehne möglichst bei den Familien erhalten werden konn.

Dmn Lehn- Sachen richtig beurtheilt werden sollen, so
müsse« sie t« §tudal»Geist deurtheiltweM«. ..

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